Expertin: Noch immer ist häusliche Pflege fest in Frauenhand

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Würzburg (epd)

Meistens sind es nach Einschätzung der Würzburger Familien- und Geschlechterforscherin Tanja Mühling Frauen, die häusliche Pflege übernehmen. Warum dies in Zeiten der Gleichberechtigung noch immer so ist und was dies für die Frauen bedeutet, erforscht die Professorin für Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Vor allem in ländlichen Räumen, seien es in erster Linie Töchter und Schwiegertöchter, die sich meist alleine für die Pflege eines Angehörigen verantwortlich fühlen.

Dies kann laut Mühling gesundheitliche und finanzielle Langzeitfolgen haben, warnt die Familien- und Geschlechterforscherin. Nicht selten werden die Frauen krank, weil Pflege, Haushalt und Beruf zu stark belasten. Führt die Pflege zu langen beruflichen Ausfallzeiten, kann Altersarmut die Konsequenz sein. "Noch haben wir in Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ niedrige Altersarmut, aber das verändert sich gerade", sagt Mühling. Deshalb empfehle sie "auch neben der Pflege" sozialversicherungspflichtig erwerbstätig zu sein.

Häusliche Pflege könne sich auch negativ auf eine Partnerschaft auswirken, warnt die Expertin. Ob dies so sei, hänge zum Beispiel davon ab, "ob man sich gemeinsam entschieden hat, das 'Projekt' Pflege in Angriff zu nehmen - auch wenn am Ende in erster Linie die Frau pflegt." Anders sei es, wenn die Frau alleine die Entscheidung getroffen habe. "Wenn dadurch keine gemeinsame Freizeit, keine gemeinsamen Wochenenden und kein gemeinsamer Urlaub mehr möglich sind, kann dies für eine Partnerschaft sehr belastend sein." (00/0347/29.01.2020)