BLLV-Präsidentin erwartet noch mehr Bildungsungerechtigkeit in Bayern
München (epd).

Laut der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, müssen die Erwartungen an Schulen weiter heruntergeschraubt werden. Schon zum Start des aktuellen Schuljahres habe man „die Latte ziemlich niedrig gehängt“, indem man zum Beispiel vielerorts an den Grundschulen die dritte Sportstunde, den Musikunterricht, freiwillige AGs oder auch die Förderangebote von vorneherein gestrichen habe, sagte Fleischmann am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Und selbst diese niedrige Latte wurde vielerorts gerissen“, erläuterte sie: „Einfach, weil das Personal fehlt.“

Nach den Ankündigungen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), 8.000 zusätzliche Stellen an Schulen schaffen zu wollen, sagte Fleischmann, sie nehme dem Regierungschef ab, dass er die Problematik verstanden habe. Erstmals habe ein bayerischer Regierungschef den Lehrermangel eingestanden, anstatt ihn zu leugnen. Dass im nun beginnenden Landtagswahlkampf auch die Bildung offenbar zum Thema wird, hält die BLLV-Präsidentin für begrüßenswert: „Es ist immer gut, wenn über Bildung diskutiert wird.“ Es brauche eine „tiefgründige, breite Debatte“, was Schule leisten und sich dafür dann an den Schulen ändern muss.

Um die teilweise prekäre Situation an den Schulen mit Unterrichtsausfällen & Co. wieder zu verbessern, sei es wichtig, dass diese nicht mit weiteren Aufgaben belastet würden - wie etwa mit der Testung von Kindern in der Corona-Pandemie. Zudem brauche es „mehr Menschen in der Schule“, sagte Fleischmann. Weil aktuell nicht genügend ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen, „bedeutet das auch, dass wir auf dem Bildungsweg Kinder verlieren werden“ und die in Bayern ohnehin ausgeprägte Bildungsungerechtigkeit „weiter zunehmen wird“. Das gefalle auch ihr nicht, sei aber eine Tatsache, die man sich momentan eingestehen müsse.

Der zentrale Punkt sei aber, den Schulleitungen die volle Flexibilität und damit Verantwortung zu geben. Diese müssten den Mangel verwalten und wüssten über die Bedürfnisse vor Ort am besten Bescheid. Das bedeute im Gegenzug, „dass die Vergleichbarkeit etwa des Lernstandes eines Viertklässlers“ nicht mehr gegeben ist, sagte Fleischmann. Eltern rät die BLLV-Präsidentin, die Situation zu akzeptieren, weil sie nicht zu ändern sei. Es ließen sich in wenigen Wochen bis zum Start des neuen Schuljahres eben nicht die Fehler aus Jahrzehnten beseitigen: „Wir werden im September den Lehrermangel noch einmal extrem präsentiert bekommen.“ (01/0207/20.01.2023)

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt