Prantl: Ohne Pressefreiheit gibt es keine Demokratie

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Karlsruhe/München (epd)

Als Kerngrundrecht hat der Münchner Jurist und Journalist Heribert Prantl ("Süddeutsche Zeitung") die Pressefreiheit bezeichnet. "Es gibt die Pressefreiheit, weil die Medien eine demokratische Aufgabe haben", sagte Prantl am Donnerstagabend in Karlsruhe. Daher müsse die Pressefreiheit verteidigt werden. Ohne sie gebe es keine Demokratie, sagte Prantl in einem Vortrag zum Thema "Lügenpresse auf die Fresse - Warum freier Journalismus so wichtig ist". Auf Einladung der Stadt Karlsruhe und der Bundesgerichte hielt er die 20. Reinhold-Frank-Vorlesung in der Evangelischen Stadtkirche.

"Pressefreiheit ist kein Gedönsgrundrecht", sagte Prantl, der bis vor kurzem Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung war, laut Manuskript. Pressefreiheit brauche Journalisten, die "neugierig, unbequem, urteilskräftig und integer" sind. Er bezeichnete den Qualitätsjournalismus als das "Lebenselixier einer freien Gesellschaft".

Ein solcher Journalismus werde das "böse und falsche Wort von der Lügenpresse" abschütteln. Den Begriff benutzten Menschen, die als Wahrheit nur die eigene Meinung gelten lassen wollten, kritisierte der Journalist: "Nicht vor dem sogenannten Populismus muss man sich fürchten, sondern vor dem politischen Fatalismus."

Wenn über Fake-News in Politik und Journalismus geredet werde, gehe es um die Frage nach der Wahrheit. Diese Frage treibe Theologen, Journalisten und Juristen gleichermaßen um. Guter Journalismus gehe über das Aufdecken hinaus und sei ein Motor für Veränderungen. Die Wertvorstellung des christlichen Abendlandes müsse im Zweifel auf Seiten der Schwachen stehen, "das Grundgesetz tut es auch". Guter Journalismus handle ebenfalls danach.

Die unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann stehende Vorlesung erinnert an den Karlsruher Rechtsanwalt und Widerstandskämpfer Reinhold Frank (1896-1945). Er wurde im Januar 1945 im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler in Berlin-Plötzensee hingerichtet. (00/2711/18.07.2019)