Neurobiologin warnt in Tutzing vor "digitaler Zwangsjacke"

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Tutzing (epd)

Die Neurobiologin Gertraud Teuchert-Noodt hat eindringlich vor dem Einfluss von Smartphones und Tablets auf die Entwicklung von Babys und Kleinkindern gewarnt. Sie mit mobilen Endgeräten spielen zu lassen sei mit einer "digitalen Zwangsjacke" zu vergleichen, sagte die ehemalige Leiterin des Bereichs Neuroanatomie der Universität Bielefeld beim Medienforum der bayerischen Landeskirche in der Evangelischen Akademie Tutzing. Dort haben Experten aus Kirche, Bildung, Wissenschaft und Medien über die Wirkung digitaler Medien auf die Nutzerinnen und Nutzer diskutiert.

Die Bedienung der Geräte hemme den motorischen Fortschritt der Kinder, weil sie dabei nicht so stark gefordert würden wie etwa beim Spielen im Sandkasten, sagte Teuchert-Noodt. Auch ältere Kinder und Jugendliche seien von der Schnelligkeit digitaler Anwendungen überfordert. Nutzten sie Smartphones, Tablets und Computer zu stark, könnten sich ihre Gehirnzellen nicht richtig vernetzen. Statt die digitalen Geräte immer stärker in den Schulunterricht zu integrieren forderte die Wissenschaftlerin ein Umdenken: "Es müsste ein Schulfach für langsames Denken geben."

Der in der Landeskirche unter anderem für den Bereich Medien zuständige Oberkirchenrat Detlev Bierbaum rief mit Blick auf den intensiven Gebrauch von Smartphones und Tablets im Alltag dazu auf, die eigene Mediennutzung kritisch zu überprüfen. "Smartphones und Tablets machen es leicht, ständig online zu sein", sagte der Theologe. Umso wichtiger sei es, sowohl im Beruf als auch im Privatleben Normen für den Griff zum mobilen Endgerät zu entwickeln. Man müsse ein "Gefühl dafür bekommen, wann es angebracht ist, ein Smartphone zu nutzen und online zu sein - und wann nicht".

Das Medienforum in Tutzing findet zum siebten Mal statt und endet Freitagmittag mit einer Podiumsdiskussion. Die Tagung, die von der Landeskirche, der Evangelischen Akademie Tutzing und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg veranstaltet wird, steht unter dem Titel "Smartphone, Tablet und PC - Was macht das mit unserem Gehirn?".