Leyendecker fordert bessere Fehlerkultur

Hans Leyendecker
Hans Leyendecker
München (epd)

Der Journalist Hans Leyendecker dringt auf eine bessere Fehlerkultur in deutschen Redaktionen. "Früher haben wir Fehler gar nicht korrigiert oder nur, wenn uns ein Gericht gezwungen hat. Nur langsam wächst die Einsicht, dass man Fehler sichtbar machen und erklären muss, wenn man das Vertrauen der Leser behalten will", sagte der ehemalige Leiter des Investigativressorts bei der "Süddeutschen Zeitung" dem evangelischen Monatsmagazin "chrismon plus" (Februar-Ausgabe).

Gerade junge Kollegen, die für eine Geschichte gekämpft haben, scheuten sich, Fehler zuzugeben, um in den Redaktionen nicht an Ansehen zu verlieren, sagte Leyendecker. Mit Bezug auf den Skandal um Fälschungen beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" kritisierte er einen "Hype um Preise im Journalismus". "Häufig wird Journalismus für Journalisten gemacht, und Leser und Zuschauer vergisst man oft", sagt Leyendecker.

Der "Spiegel"-Reporter Claas Relotius habe sehr darauf geschaut, "welche Meinungen und Vorurteile in einer Redaktion verbreitet sind, und hat die dann mit seinen Texten bedient". "Da hat er uns alle erwischt bei unserem Wunsch, die eigenen Klischees bestätigt zu bekommen", sagte Leyendecker, der als Präsident den 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund leitet. Das Protestantentreffen findet vom 19. bis 23. Juni statt und steht unter der Losung "Was für ein Vertrauen".