Journalisten sehen sich zunehmend bedroht

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Symbolfoto: Hass und Mobbing im Internet
München (epd).

Journalisten sehen die Sicherheit von Medienschaffenden in Deutschland zunehmend in Gefahr. „Es kommt näher. Früher haben wir über Mexiko und über Russland gesprochen, jetzt reden wir über Ungarn, die Niederlande und Polen“, sagte der RBB-Journalist Olaf Sundermeyer am Freitag beim Journalismus-Tag der Medientage München. Die Europäische Union scheine zu akzeptieren, dass Polen als wichtiges Mitgliedsland die Pressefreiheit aussetze: „Insofern glaube ich, dass wir auf europäischer Ebene da ein stärkeres politisches Engagement brauchen.“

Auch Bastian Obermayer von der „Süddeutschen Zeitung“ berichtete von zunehmender Sorge vor Angriffen auf Journalisten. „Was wir bei uns bis zum Oktober 2017 verdrängt haben, war die Bedrohung von Leib und Leben“, sagte er mit Blick auf die Ermordung der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia. „Wir haben immer gesagt, wir sind in München, in Deutschland, das ist alles weit weg.“ Die Bedrohung komme tatsächlich näher.

Monika Pielath, Nachrichtenchefin von „Zeit Online“, sagte, der Hass treffe Journalisten seit der Corona-Pandemie nicht nur im Netz, sondern zunehmend auch auf der Straße. „Reporter, die von Corona-Demonstrationen berichten, sind natürlich ganz anderen Anfeindungen ausgesetzt, als noch vor zehn Jahren.“

Um Medienschaffende besser zu schützen, forderte Obermayer eine konsequentere Strafverfolgung. „Wir sehen ganz oft, dass Übergriffen auf Journalistinnen und Journalisten nicht so nachgegangen wird, wie es sein sollte“, sagte er. Das reiche von Angriffen im digitalen Raum bis hin zu Morden. Markus Knall, Digital-Chefredakteur bei Ippen Media, sagte: „Der wichtigste Schutz für Journalisten ist, wenn die Arbeit, die sie tun, in der Gesellschaft anerkannt wird.“ Daher müsse weiterhin in Qualität investiert werden.

Bei den Medientagen München diskutierten Journalisten, Medienmanagerinnen und Experten von Montag bis Freitag unter dem Motto „New Perspectives“ über neue Entwicklungen in den Medien. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Mediennutzung und -angebote durch die Corona-Pandemie verändert haben. (00/3631/29.10.2021)