Die richtige Berichterstattung kann Leben retten
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Augsburg (epd).

Nachrichtenberichte über Suizide können Nachahmertaten hervorrufen. Folgen sie jedoch bestimmten Qualitätskriterien, tritt dieser Effekt nicht auf und die Berichterstattung kann sogar präventiv wirken. Das hat Sebastian Scherr, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Augsburg, in einer aktuellen Studie nachgewiesen. Gemeinsam mit weiteren Forschern der Universitäten in München und Wien entwickelte er Interventionsmaterialien, um Redaktionen zu diesem Thema zu schulen, teilte die Universität Augsburg am Freitag mit.

Medien berichten in der Regel nur von Suiziden, wenn die Umstände von besonderem öffentlichen Interesse sind, um einen Nachahmungseffekt zu vermeiden. Scherr untersuchte, ob sich die Berichterstattungsqualität über Suizide durch eine Aufklärungskampagne in Nachrichtenredaktionen verbessern lasse und ob eine verbesserte Berichterstattung präventiv wirken könne. Beides konnte im Rahmen der Studie bestätigt werden. „Nachrichten können also tatsächlich Leben retten“, sagte Scherr laut Mitteilung.

Wenn Suizidberichte sprichwörtlich den richtigen Ton treffen, also keine Details über Methode und Ort des Suizids veröffentlichen, dafür aber vermehrt Geschichten über Personen mit einer erfolgreichen Krisenbewältigung, könne mit der Zeit eine Reduktion der tatsächlichen Suizide in Deutschland erreicht werden. Über die aktuelle Studie hinausgehend halten es die Forscher für notwendig, dass ein konstantes Monitoring von Suizidberichten in Deutschland auch auf Social Media stattfinde, um besser abschätzen zu können, welche zusätzliche Gefahr durch gefährliche Berichte über Selbsttötungen besteht. Aufgrund von sensationsträchtigen Suizidberichten könne es zu zusätzlichen Nachahmungssuiziden kommen, die es sonst nicht gegeben hätte.

Die Forscher haben im Rahmen der Studie Interventionsmaterialien speziell für Journalistinnen und Journalisten entwickelt, die die globalen Empfehlungen für eine qualitativ hochwertige, verantwortungsvolle Suizidberichterstattung erläutern. Diese Interventionsmaterialien wurden an Zeitungsredaktionen in Deutschland versendet. Im Anschluss wurde inhaltsanalytisch untersucht, inwiefern sich die Qualität der Suizidberichterstattung in den entsprechenden Zeitungen mit der Zeit veränderte.

Die Veränderungen in der Qualität der Suizidberichterstattung wurden dann mit Hilfe von Zeitreihenanalysen mit den deutschen Suizidstatistiken verglichen, um abschätzen zu können, welchen Einfluss die Qualität der Berichterstattung auf die tatsächlichen Selbsttötungen in Deutschland haben kann. So schätzen die Wissenschaftler, dass durch die positive Veränderung in der Berichterstattung zwischen April 2019 und März 2020 17 Leben gerettet wurden. (00/4181/02.12.2022)