Burda-Chef Kallen: Internetplattformen stärker kontrollieren

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Paul-Bernhard Kallen (r.) ist gefragter Gesprächspartner zum Thema "Digitalisierung" wie hier auf dem Podium zum Thema "Friedliche digitale Arbeitswelt4.0?" auf dem Katholikentag
München (epd)

Der Chef des Medienkonzerns Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen, fordert eine stärkere Kontrolle von Internetplattformen wie Twitter, Facebook, Youtube oder Google. "Die sozialen Medien können Massen mobilisieren, von den sozialen Medien kann eine große Gefahr ausgehen", sagte Kallen der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Es sei das erste Mal in der Geschichte, dass Massenmedien ohne Regulierung eingeführt würden.

Kallen schlägt eine Institution für Deutschland und Europa vor, ähnlich der Bundesnetzagentur, aber für den digitalen Raum. Diese achte seit der Liberalisierung des Marktes für Telekommunikation auf Einhaltung und Definition der Spielregeln, so der Manager. "Wir haben genug Marktgröße, Geld und ausreichend Fähigkeiten in Europa, um eigene Spielregeln zu gestalten und durchzusetzen."

Es gehe um die Frage, wer die Verantwortung für die Inhalte trage. "Klar ist doch, dass Facebook Inhalte selektiert, Nachrichten gewichtet und unterschiedlichen Nutzern zugänglich macht. Facebook ist damit ganz klar ein Medienunternehmen - und deshalb für alle Inhalte haftbar." Dass das nicht erkannt werde, sei schlecht für die Gesellschaft.

Kallen reagierte auf das neue Angebot Facebook News, das im Mai in Deutschland starten soll, zurückhaltend. Die beste Lösung sei, die Verantwortung für die Inhalte wieder auf die Verleger zu übertragen und damit Inhalte eindeutig auf die Nachrichtenseiten zu verlinken, sagte er.

Facebook präsentiert die Inhalte zahlreicher Medienmarken in Deutschland von Mai an in einem eigenen Bereich. Die Nutzer erhalten bei Facebook News die wichtigsten Schlagzeilen und Geschichten des Tages sowie Nachrichten, die nach ihren persönlichen Interessen ausgewählt werden. Die teilnehmenden Verlage repräsentierten mehr als 100 Medienmarken.

Kallen äußerte sich auch zur Geschäftsentwicklung bei Hubert Burda Media im Jahr 2020. "Wir konnten den Umsatz weitgehend konstant halten, in den Jahren zuvor haben wir immer um drei bis vier Prozent zugelegt, das ist uns jetzt nicht gelungen. Unser Umsatz liegt 2020 bei knapp 2,8 Milliarden Euro." Für 2021 sei ein Umsatzplus von drei bis vier Prozent geplant. (00/0857/14.03.2021)