Arte will europäische Öffentlichkeit schaffen

a:0:{}
Deutsch-französischer Sender mit Jubiläumsprogramm zum 30. Geburtstag
Straßburg, Baden-Baden (epd).

Der deutsch-französische Sender Arte will noch stärker als bisher auf die europäische Verständigung setzen. „Wir arbeiten an einer europäischen Öffentlichkeit für unsere Inhalte, die es vielleicht so noch gar nicht gibt“, sagte der deutsche Vizepräsident Peter Weber am Mittwoch in einer digitalen Pressekonferenz zum 30. Geburtstag des Senders. „Nur wer sich versteht, nur wer im Dialog miteinander kommuniziert, kann sich verbinden und versuchen, Konflikte zu überwinden.“ Arte ging am 30. Mai 1992 an den Start.

Zusammen mit neun weiteren europäischen öffentlich-rechtlichen Sendern könnten zurzeit pro Jahr Hunderte Programme produziert werden, die ein Fenster auf den kulturellen Schatz Europas öffneten, betonte der französische Arte-Präsident Bruno Patino. Diese Rolle als Netzwerksender wolle Arte weiter ausbauen. Gespräche laufen den Angaben zufolge mit dem spanischen Fernsehen RTVE, dem litauischen Fernsehen LRT und weiteren baltischen Staaten.

Außerdem bildeten Angebote in der Muttersprache der Europäer eine der strategischen Achsen für die zukünftige Entwicklung des Senders, betonte Patino. Online könnten Untertitel auf Polnisch, Spanisch, Englisch und Italienisch abgerufen werden, sodass rund 70 Prozent der Menschen in Europa Inhalte in ihrer Muttersprache anschauen könnten. Seit kurzem bietet Arte auch eine Auswahl an Sendungen auf ukrainischer und russischer Sprache an. Für den Herbst kündigte der französische Arte-Präsident ein wöchentliches Nachrichtenangebot auf Englisch und Spanisch an.

Im vergangenen Jahr erzielte Arte den Angaben zufolge einen Marktanteil von 1,3 Prozent in Deutschland und 2,9 Prozent in Frankreich. Die Mediathek habe einen Reichweitenzuwachs zwischen 2019 und 2021 von 68 Prozent verzeichnet. Für seine digitalen Angebote auf arte.tv und Drittplattformen wie Youtube, Facebook oder Instagram zählte Arte 2021 mehr als 1,8 Milliarden Videoaufrufe. Diese Abrufe fielen vor allem auf die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen, betonte Weber. Im Schnitt seien die Arte-Nutzer in den sozialen Netzwerken 25 Jahre jünger als das durchschnittliche Fernsehpublikum.

Laut Patino ist Arte gleichzeitig „ein linearer Fernsehsender, eine nicht-lineare Mediathek, aber auch ein Sender in den sozialen Medien“. „In einem krisenerschütterten Europa ist es wichtiger denn je, unseren Beitrag für die Kultur in Europa, für ihre Strahlkraft und ihr Wirken über nationale Grenzen hinaus, zu leisten.“ Heutzutage sei es essenziell, Arte als Referenzlabel für die europäische Kultur zu festigen.

Zu seinem Jubiläum veranstaltet der Sender vom 27. Mai bis zum 3. Juni eine Geburtstagswoche mit Konzerten, Serien, Filmen, Dokumentationen und Spezialausgaben der deutsch-französischen Erklärsendung Karambolage. Am Jubiläumstag (30. Mai) läuft der mehrfach ausgezeichnete animierte Dokumentarfilm „Flee“ von Jonas Poher Rasmussen. Einen Tag später startet die sechsteilige Reihe „Europa. Kontinent im Umbruch“ zur Zeitenwende in Europa, in der auch der Krieg in der Ukraine vorkommt.

Für Juni kündigte der Sender unter anderem das Projekt „Generation Africa“ an. 25 Filmemacherinnen und Filmemacher aus 16 afrikanischen Ländern blicken in Dokumentarfilmen auf das Thema Migration. 80 Prozent der afrikanischen Migration finde innerhalb des Kontinents statt. Das Projekt sei eine erstmalige Kooperation zwischen den englisch- und französischsprachigen Regionen. (0955/27.04.2022)