Projekt will kulturelles Erbe in Nahost schützen - darunter Ninive

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Ausstellung in Bonn zeigt virtuelle Reise durch zerstoertes Weltkulturerbe
München (epd).

Das gefährdete kulturelle Erbe im Irak und in Usbekistan schützen: Dies wollen Forscher in einem neuen Projekt der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Zu den gefährdeten Stätten gehöre etwa die antike Stadt Ninive, die im heutigen Mossul im Irak liegt, teilte die LMU mit. Unternommen wird das Projekt vom Institut für Vorderasiatische Archäologie.

Die Überreste der früheren assyrischen Hauptstadt seien infolge der Besetzung durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) heute weitgehend zerstört, hieß es. Und durch Baumaßnahmen gehe die Zerstörung weiter, sagte Institutsleiterin Adelheid Otto. Ninive sei um 615 v. Chr. die größte Stadt der Welt mit 150.000 Einwohnern gewesen: „Sie ist eine der zentralen Stätten unseres kulturellen Erbes und wird Tag für Tag weiter zerstört.“

Mit dem Projekt will die Archäologin das kulturelle Erbe in den beiden Ländern dokumentieren und Maßnahmen entwickeln, es zu schützen. Dazu zähle auch, bei der lokalen Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Stätten kulturellen Erbes zu schaffen, etwa durch die Entwicklung von Apps. Otto arbeitet international mit drei Wissenschaftlern von den Universitäten in Bologna, Mossul und dem usbekischen Taschkent zusammen.

Otto forscht laut LMU seit Jahren im Irak; eines ihrer aktuellen Projekte ist der Fundort Fara, im dritten Jahrtausend v. Chr. eine bedeutende Siedlung, wo Überlieferungen zufolge die Arche Noah gebaut worden sein soll. Heute sei dort nicht mehr als ein Erdhügel zu sehen, der von Raubgrabungen gezeichnet sei - aber darunter liege eine der wichtigsten Städte der damaligen Welt: „Ohne nachhaltige Schutzkonzepte ist dieser Ort ebenso wie die Mehrzahl der Kulturerbestätten akut gefährdet“, so die Forscherin.

Das Projekt „KALAM. Analysis, protection and development of archaeological landscapes in Iraq and Uzbekistan through ICTs and community-based approaches“ wird von der internationalen Initiative „Global Challenges - Integrating Diverse Perspectives on Heritage and Change“ gefördert, zu der sich die VolkswagenStiftung, die Compagnia di San Paolo in Italien und der Riksbankens Jubileumsfond in Schweden zusammengeschlossen haben. (01/2294/07.07.2021)