Mit Feile, Gürteltier und Admiralsstab

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Feile, mit der Kaiserin Elisabeth ermordet wurde
Landesausstellung 2021 "Die letzten Monarchen" startet Ende Juni
Regensburg (epd).

Einblicke in die Lebenswelten des Hochadels um 1900 präsentiert das Haus der Bayerischen Geschichte in seiner Landesausstellung 2021 ab 23. Juni im Museum in Regensburg. Gezeigt werde eine Zeit des Umbruchs und Abdankens, sagte Peter Wolf vom Haus der Bayerischen Geschichte am Freitag in Regensburg bei einer ersten Preview. Anhand der Lebenswege der letzten Monarchen vor der Revolution 1918 sei zu sehen, wie diese um ihren Platz in einer sich rasch veränderten Welt kämpfen mussten. „Am Ende entschieden Weltkrieg und Revolution über ihr Schicksal.“

Die Bayerische Landesausstellung 2021 mit dem Titel „Götterdämmerung II - Die letzten Monarchen“ schließe inhaltlich und zeitlich an die erfolgreiche Schau „Götterdämmerung: König Ludwig II.“ aus dem Jahr 2011 an, sagte Wolf weiter. Damals war Herrenchiemsee der Ausstellungsort. Auch der zweite Teil der Ausstellung sollte dort stattfinden, doch dann kam Corona. Im Donausaal des Museums in Regensburg mit seinen 1.000 Quadratmetern könne sie nun trotzdem umgesetzt werden.

In acht Abteilungen zeige die Landesschau 140 Objekte, „edle, aber auch ungewöhnliche Schaustücke“, die von den Gegensätzen und Umbrüchen jener Zeit um 1900 berichteten, sagte Projektleiterin Margot Hamm. Die fürstlichen Herrscher regierten nach dem Motto „Regieren, resignieren, repräsentieren“.

Die britische Monarchin Queen Victoria etwa schenkte ihrem Sohn Alfred einen prächtigen Admiralsstab, der vielleicht auch als Trostpflaster diente, weil er seine Karriere bei der britischen Marine zugunsten des Herzogshauses Sachsen-Coburg und Gotha aufgeben musste.

Einen Stich ins Herz der Monarchie wurde 1898 in Genf verübt: Das Opfer war Kaiserin Elisabeth. Die Tatwaffe, eine unscheinbare Feile, wird auch in der Ausstellung zu sehen sein. Präsentiert werde zudem ein sorgfältig präpariertes Gürteltier. Prinzessin Therese, Tochter des bayerischen Prinzregenten Luitpold und begeisterte Naturwissenschaftlerin, brachte das Tier von ihrer zweiten Südamerikareise 1898 mit.

Am Ende des Ersten Weltkriegs, so werde in der Schau deutlich, war die Monarchie aus der Zeit gefallen, sagte Hamm. Die Monarchen verschwanden von der Bildfläche. Ein letztes Mal trat die Monarchie in Bayern beim Begräbnis des letzten Königs, Ludwig III., aus ihrem Schatten. Durch eine mediale Toninstallation könnten sich Besucher in den symbolstarken Akt hineinversetzen.

Die Lebenswelt der Fürsten traf auf umstürzende Neuigkeiten, auch das zeigt die Schau. Ein herausragendes Exponat ist der „Benz 8/20 Doppel-Phaeton“, der in der Abteilung „Neue Zeiten“ zu sehen ist. Den Wandel habe das gut 100 Jahre alte Automobil selbst mit eingeläutet.

Nach sieben Jahren komme die Welterbe-Stadt Regensburg wieder zu einer Landesausstellung und damit zu „monarchischen Ehren“, sagte Kulturreferent Wolfgang Dersch. Die Stadt habe ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und weiteren Ausstellungsorten zur Landesausstellung entwickelt. Dazu gehöre auch der Originalschauplatz des Schlosses Emmeram: Die Schwester von Kaiserin Elisabeth, Prinzessin Helene, heiratete ins Haus Thurn und Taxis ein und führte nach dem Tod ihres Mannes als erfolgreiche Unternehmerin und Managerin die Geschicke des Hauses weiter.

Noch ist die Landesausstellung 2021 im Aufbau begriffen, aber in sechs Wochen werde alles fertig sein, sagte Projektleiterin Hamm. Auch an eine eigene Kinder-Ausstellungslinie und an Texte in einfacher Sprache sei gedacht worden. Die Landesschau geht bis zum 16. Januar 2022. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 12 Euro. Der Besuch der Dauerausstellung am selben Tag ist inbegriffen. (00/1582/07.05.2021)