Als Moritz Puschke mit zwölf die Beatles für sich entdeckte

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Moritz Puschke, ION-Intendant
Intendant des Nürnberger Musikfests ION ist großer Fan der "Fab Four"
Nürnberg (epd).

„All you need is...“ - beim Motto des diesjährigen Nürnberger Musikfests ION (24. Juni bis 3. Juli) möchte man schnell ein „love“ nachsetzen, erinnert es doch an den bekannten Song der Beatles. Dabei hatte Intendant Moritz Puschke diesen Titel gar nicht konkret im Sinn und wollte das Ende bewusst offen lassen, damit ein jeder sich nach zwei anstrengenden Corona-Jahren seinen persönlichen Wunsch anstelle der drei Pünktchen setzen kann. Wer den Vollblutmusiker allerdings zu Hause besucht, merkt schnell: Die Beatles spielen eine Hauptrolle in Puschkes Musik-Kosmos.

Die „Fab Four“ aus Liverpool als Puppen auf dem Regal, wertvolle Sondereditionen der Alben der wohl größten Pop-Band aller Zeiten, Single-Raritäten, Sammlerstücke und im Bücherschrank jede Menge Literatur über John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr: Der 1971 in Rendsburg (Schlewsig-Holstein) geborene Puschke kann seine Begeisterung für die Beatles nicht leugnen. Mit künstlich gezogenen Grenzen zwischen U- und E-Musik oder einem Wettbewerb zwischen beiden kann der Kulturmanager ohnehin nichts anfangen, sagt er - solange freilich der Anspruch passt.

Bei der ION, für dessen künstlerische Leitung Puschke seit 2019 verantwortlich ist, lassen er und sein Team neben den großen, klassischen Chor- und Orchesterwerken immer wieder Experimente zu. Da konzertiert plötzlich die Hammond- neben der klassischen Orgel, ein Elektronik-Popkünstler trifft auf einen Cellisten, zu Mozarts Requiem gibt es Lichtinstallationen. Seine Beatles-Leidenschaft lebt der studierte Musiker zudem seit mehr als 20 Jahren mit seiner Band „The Fairies“ aus. Und zwar an einem Instrument, das es so bei den Beatles eigentlich offiziell nicht gibt: am Keyboard.

Dabei kommen Tasteninstrumente öfter bei den Beatles vor, als man angesichts der Bandbesetzung - zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug - vermuten könnte. „Lady Madonna, Hey Jude und Let it be sind vom Klavier dominierte Klassiker“, zählt Puschke auf. Vor allem bei späteren Beatles-Alben ist der Einsatz von Piano, Hammond-Orgel und erster Synthesizer deutlich hörbar. Auch Klassik-Instrumentierung gibt es bei den Beatles - etwa in Form des charakteristischen Streichquartetts bei „Eleanor Rigby“, bei „Yesterday“ oder in Form von Bachtrompete bei „Penny Lane“ und bei „All you need is love“.

In seinem Musikzimmer setzt sich Moritz Puschke gerne an sein elektrisches Fender Rhodes-Piano aus den 1970ern. Daran übt er regelmäßig die Tastenparts, wie sie vor allen Dingen auf den späteren Beatles-Alben vorkommen: Billy Preston war es, der Beatles Ende der 1960-er mit souligen Sounds auf dem Album „Let it be“ eine „Frischzellenkur“ verpasste - nachzuhören bei Songs wie „Get back“ oder „Don't let me down“. Auf der letzten Platte „Abbey Road“ übernahm Paul McCartney selbst das E-Piano bei Stücken wie „Come Together“. Lieder, die die Beatles selten bis nie live gespielt haben.

Puschke entdeckte die Beatles mit zwölf Jahren für sich. „Die Harmonien, die Taktwechsel, die vielen Facetten der Stücke, das war so erfrischend anders als Synthie-Pop und Neue Deutsche Welle“, sagt er mit Blick auf die Zeit Anfang der 1980-er Jahre. Im Jahr 2000 war Puschke gerade am Bremer Dom als Kulturmanager tätig, als der 20. Todestag John Lennons am 8. Dezember bevorstand und die Idee einer „Lennon-Nacht“ an ihn herangetragen wurde. „Ich wollte das ganze Kaleidoskop seines Lebens mit Film und Literatur abbilden, am Ende musste es aber doch noch rocken“, erinnert er sich.

Das war denn auch die Geburtsstunde der „Fairies“: Puschke fragte seinen Studienkollegen Norbert Krietemeyer, ob er sich vorstellen könne, für diesen Anlass eine Band zusammenzustellen. Die gibt es nun schon seit 22 Jahren. Ob „All you need is love“ dann auch auf der ION zu hören sein wird? „Ich habe das keinem nahe gelegt“, sagt Puschke lachend. Die Bamberger Kirchenmusikerin Ingrid Kasper jedenfalls will am 1. Juli bei ihrem Orgelkonzert in der Frauenkirche über das Lied improvisieren. Und vielleicht erklingt die Friedenshymne ja auch am 24. Juli beim riesigen Nachtchor am Hauptmarkt. (00/2085/10.06.2022)

Von Timo Lechner (epd)