Spaß und Seriosität widersprechen sich nicht

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Hannes Schott, Pfarrer an St. Jakob in der Nürnberger Innenstadt
Der Nürnberger Pfarrer Schott und sein Buch über Humor und Kirche
Nürnberg (epd)

Hannes Schott ist jetzt schon ein "bunter Hund" in der bayerischen evangelischen Landeskirche. Der 40-jährige aus Bayreuth stammende Pfarrer hat mit neuen Formen wie Bus- oder Wohnzimmer-Gottesdiensten, seinem augenzwinkernden Blick auf die Kirche auch als Mitglied des Pfarrerkabaretts "Das weißblaue Beffchen" und innovativen Radioandachten von sich reden gemacht. Seit August vergangenen Jahres ist er Pfarrer an St. Jakob in der Nürnberger Innenstadt.

"Normalerweise kommt man frisch verliebt an seine neue Stelle und wird von Kreis zu Kreis weiter gereicht und lernt alle kennen. Das funktioniert derzeit nicht, und das hat mich anfangs schon immer wieder mal ein bisschen runtergezogen", beschreibt Schott sein erstes halbes Jahr "mit angezogener Handbremse". Gottesdienstbesucher sehe er nur mit Masken, ein echtes Gespür für die Menschen entwickle sich nur zaghaft. Ein eben neu entdecktes Café sei beim nächsten Lockdown wieder geschlossen.

Trotzdem: Mit seiner Frau habe er eine schöne Wohnung bezogen und die ersten YouTube-Andachten aufgenommen. Derzeit arbeite er sich in den ebenfalls neuen Job als Pfarramtsleiter ein. "In diese wunderschöne Jakobskirche habe ich mich jetzt schon verliebt", bekennt er seine Zuneigung zu dem Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert, das nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut wurde. Mit dem Pilgerzentrum und dem integrierten Gemeindezentrum hat es fast ein bisschen Wohnzimmercharakter.

Schott Buch "Raus aus dem toten Winkel" ist im September erschienen. Alle seine humoristischen oder gemeindlichen Aktionen versuche er darin auf eine fundierte theologische Grundlage zu stellen, erklärt er, "damit ist man auch weniger angreifbar". Was seiner Meinung nach einen guten Pfarrer ausmacht: "Authentisch sein und sich so geben, wie man ist. Und zu seinen Gaben stehen".

Dabei wolle er weniger selbst Vorbild sein, sondern ermutigen, auf die jeweils eigenen Gaben und die der Menschen im eigenen Umfeld zu schauen. "Der Glaube hat für jeden etwas, das für ihn bereichernd sein kann", ist Schott überzeugt. Auch schwere Themen durch die humoristische Brille anzuschauen, sei für ihn kein Widerspruch, auch wenn das allgemein geglaubt werde.

Schott entwickelt in seinem Buch Visionen von einer Kirche der Gegenwart. Beispiele: Es würde sich lohnen, über eine kreativere Nutzung von Kirchengebäuden, die geballt auf engerem Raum zu finden sind, nachzudenken. Oder über unterschiedliche Gottesdienstzeiten. Man müsse das nach wie vor breit vorhandene spirituelle Interesse der Menschen ernster nehmen und auch die Ökumene stärken.

"Ich habe so viele tolle katholische Kollegen kennengelernt, die auch gute evangelische Pfarrer sein könnten", lacht Schott. Die Krise der Kirchen könne die Konfessionen enger zusammen führen, wobei es den Gläubigen überlassen sei, in welcher Tradition sie ihre Heimat finden. Als Christ sieht sich Schott mitten in einem sportlichen "Glaubenslauf", ein Bild, das im Buch häufig vorkommt.

"Wie mir Schulsport und Bundesjugendspiele die Freude am Sport genommen haben, nahmen anderen Religions- und Konfirmandenunterricht die Freude am Glauben. Das lässt sich ändern", schreibt er. Und dann möchte er vielleicht doch ein bisschen Vorbild sein: "Wenn die Leute, die mich kennenlernen oder mein Buch lesen, merken, dass da einer ist, der sein Leben so auf Gott ausrichtet und dabei glücklich ist - vielleicht bekommen sie dann Interesse, es auch einmal zu probieren." (00/1325/19.04.2021)

Von Timo Lechner (epd)