Pfarrerspaar mit Erfahrung in Spätaussiedler-Seelsorge für Heuchelhof

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Würzburg (epd).

Die evangelische Gethsemane-Kirche im Würzburger Stadtteil Heuchelhof war Ende März wegen prorussischer Schmierereien an den Mauern in die Schlagzeilen geraten - nun bekommt die Gemeinde zum 1. September ein neues Pfarrers-Ehepaar. Das Besondere daran: Claudia Kühner-Graßmann und Tobias Graßmann (beide 34) bringen Erfahrungen in der Spätaussiedler-Seelsorge mit. Graßmann hat sich in der Nürnberger SinN-Stiftung engagiert und hat Russisch-Sprachkenntnisse. Im Würzburger Stadtteil Heuchelhof leben viele Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Graßmann kennt die Situation in Würzburg - von 2014 bis 2016 hat er sein Vikariat, also seinen Vorbereitungsdienst als Pfarrer, im Stadtteil Grombühl absolviert. „Dort leben auch viele Menschen, die russische Wurzeln haben“, erläuterte er. Sein Vater sei zudem Pfarrer im Augsburger Uni-Viertel gewesen - auch dort gebe es „eine starke postsowjetische Community“: „Das ist ein Handlungsfeld, das mich interessiert.“ Dass er Russischkenntnisse habe, sei von Vorteil: „Es ist immer besser, wenn man Menschen in ihrer Sprache ansprechen kann und nicht für alles Dolmetscher braucht.“

Das Bewerbungsverfahren für die Stelle am Heuchelhof hatte zwar schon vor dem russischen Überfall auf die Ukraine begonnen. „Nachdem es diesen Vorfall mit den Schmierereien gab, musste ich schon erst einmal kurz durchschnaufen“, sagte Kühner-Graßmann. Letztlich sei dies jedoch „ein bestätigendes Zeichen“ gewesen, „dass es richtig war und ist, dorthin zu gehen“, betonte Graßmann. Beide wollen in ihrer Gemeindearbeit auf die Spätaussiedler-Gemeinde, in der es viele evangelische Christen gibt, zugehen: „Wir machen das in gewisser Weise jetzt zu unserer 'Mission'.“

Ende März hatten bislang unbekannte Täter mehrfach das russische Kriegssymbol „Z“ an die Würzburger Gethsemane-Kirche geschmiert. In Russland wird der lateinische Buchstabe „Z“ an Autos, Gebäuden oder auf T-Shirts gezeigt, um Zustimmung zum Krieg Russlands gegen die Ukraine zu demonstrieren. Das Symbol soll für „Za Pobedu“ („Für den Sieg“) stehen. Die Polizei ermittelt wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ sowie wegen des Anfangsverdachts einer Straftat nach Paragraf 140 des Strafgesetzbuches, also wegen der Belohnung und Billigung von Straftaten.

Tobias Graßmann sagt, er habe sicher keine Sympathien für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Aber wir müssen die Türen offen halten für Menschen mit russischen Wurzeln.“ Es bestehe die Gefahr, „eine ganze Menschengruppe“ wegen Putins Handeln zu diskreditieren. (00/2630/22.07.2022)