"Die Welt ist voller Probleme und voller Lösungen"

s:38:"Aktion von Oxfam gegen Kohlekraftwerke";
Aktion von Oxfam gegen Kohlekraftwerke
Drei Fragen an den Leiter der Nürnberger Evangelischen Stadtakademie zu deren Schwerpunktthema "Klima.Faktor.Mensch"
Nürnberg (epd)

Mit dem Thema Klima befasst sich die Evangelische Stadtakademie Nürnberg in den kommenden Wochen in einer Themenreihe. Vorträge, Diskussionen, ein Studientag und eine Ausstellung in der Egidienkirche stehen auf dem Programm. Ein schon lange geplantes Schwerpunktthema, wie der Leiter der Stadtakademie, Leiter Ekkehard Wohlleben im epd-Gespräch erklärt.

epd: Herr Wohlleben, die Klimafrage ist in aller Munde. "Springt" die Stadtakademie mit ihrem neuen inhaltlichen Schwerpunkt da einfach auf?

Wohlleben: Als wir die Ausstellung Klima.Faktor.Mensch reservierten, wusste noch niemand, wer Greta Thunberg ist, und die Schüler gingen freitags noch brav in die Schule. Es war eher die Frage: Können wir für dieses Thema genügend Leute interessieren, oder reagieren sie gleichgültig? Wir haben es trotzdem versucht, weil die Klimakrise die entscheidende Zukunftsfrage unserer Generation ist. Und das sind die Fragen, bei denen wir als Christen mitdiskutieren und Stellung beziehen müssen. Während wir das Schwerpunktthema planten, nahm dann die gesellschaftliche Entwicklung mit Fridays for Future eine ungeahnte Dynamik auf. Aber es schadet ja nichts, wenn Kirche einmal nicht hinterherhinkt.

epd: Sie selbst haben bereits in Predigten davor gewarnt, dass Angst in der Frage des Klimaschutzes ein schlechter Berater ist. Wie beurteilen Sie, was mancherorts mittlerweile als "Klimahysterie" beschrieben wird?

Wohlleben: Es ist wichtig, den Ernst der Lage zu erkennen und sich seine Ängste einzugestehen. Ein "Heile, heile Segen, es wird schon wieder gut" verbietet sich angesichts des Ausmaßes der Klimakrise. Ich kann menschlich gut verstehen, dass Greta sagt: "Ich will, dass ihr Panik habt, weil ich Panik habe." Manchmal scheint es, als sei Angst die letzte Motivation, um etwas zu verändern. Ich halte Angst in diesem Fall aber für einen schlechten Ratgeber. Wir dürfen nicht in der Angst steckenbleiben, sondern müssen den Blick nach vorne richten und aus Verantwortung und Liebe zu Gottes Schöpfung handeln: Ja, die Welt ist voller Probleme - aber sie ist auch voller Lösungen!

epd: Welche Antworten können Christen auf aktuelle Fragen zum Klimaschutz aus dem Glauben heraus geben, beziehungsweise: Wo setzt man diese an?

Wohlleben: Als Christen stehen wir in der Verantwortung, die Erde zu "bebauen und zu bewahren". In diesem Sinne ist jede und jeder aufgefordert, das Notwendige zu tun, um seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Gerade die Kirchen könnten zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden: E-Mobilität, Gebäudedämmung, Photovoltaikanlagen auf Gemeindehäusern und anderes. (00/3842/18.10.2019)

epd-Gespräch: Timo Lechner (epd)