Diamantkirche aus dem All
a:0:{}
Nördlinger Georgskirche steht 2023 seit Langem wieder ohne Gerüst da
Nördlingen (epd).

Als die Georgskirche in die Förderprogramme des Bayerischen Landesamts für Denkmalschutz rutschte, war Jürgen Eichelmann noch gar nicht geboren. Seit 2021 ist der 49-Jährige als Stadtbaumeister in der Ries-Metropole tätig. „Mich ergreift die Ehrfurcht, wenn wir wieder mal eine zu sanierende Stelle freilegen und ich sehe, was sich meine Vorgänger schon vor 600 Jahren gedacht und dann umgesetzt haben“, sagt er. Rund 900.000 Euro werden pro Jahr für die gotische Kirche St. Georg ausgegeben, die Kommune erhält eine 80-prozentige Förderung.

400 Jahre stand die fast 100 Meter lange und bis zu 20 Meter hohe Kirche da, bis sie um 1870 erstmals saniert wurde. „Ein Wunder, dass vorher anscheinend keine größeren Reparaturen nötig waren. Das hat sich seitdem grundlegend geändert“, erklärt Eichelmann und verweist auf die seit der Industrialisierung veränderten Umwelteinflüsse, die dieser Kirche zu schaffen machen wie wohl kaum einem vergleichbaren Sakralbau.

St. Georg und sein 90 Meter hoher Turm „Daniel“ wurden aus „Suevit“-Gestein erbaut. Das entstand, als vor rund 15 Millionen Jahren ein Asteroid mit einem Durchmesser von rund 1,5 Kilometern auf die Region herabstürzte und den Rieskessel bildete. Der einzigartige Stein ist streng genommen ein inhomogenes Gemisch aus verschiedensten Bestandteilen. Zu denen zählen sogar mikroskopisch kleine Diamanten, die damals durch die einmalige Kombination von Druck und Hitze entstanden.

So schön die Geschichte der „Diamant-Kirche aus dem All“ sich anhört, der Bau hat genau wegen der Steinzusammensetzung ihre Tücken. „Manche Steine sind härter, manche so weich, dass man sie praktisch mit der Hand aus der Mauer nehmen und in der Hand zerbröseln lassen könnte“, meint der Stadtbaumeister. Einen Suevit-Steinbruch, aus dem man passenden Ersatz holen kann, gibt es zudem schon lange nicht mehr. Daher behelfen sich die Restauratoren mit Sandstein, von dem glücklicherweise vor etwa zehn Jahren gleich Tonnen gekauft und eingelagert wurden.

Wenn in ein paar Monaten der letzte Pfeiler saniert ist und das Gerüst endlich abgebaut werden kann, warten im Kircheninneren erstmal acht weitere Stützen auf ihre Reparatur. Das Problem: Die Kirche wurde einst auf einem aufgelassenen Friedhof gebaut. Die Säulen im Chorraum sind stark versalzen, es herrscht teilweise eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 70 Prozent. Es stelle sich die Frage, ob man mit einem Sanierputz verwendet oder gleich die „große Lösung“ anwendet. Das würde heißent: Stahlgerüst drumherum, Pfeiler anheben, neues Fundament drunter - so ist es auch an der Außenseite der Kirche zum Teil gemacht worden.

In den Zuständigkeits- und damit auch den Finanzierungsbereich der Kirchengemeinde fallen außerdem die Sanierung der Epitaphien, des Gestühls und der Altäre, insbesondere des alten Altarschreins. „Sorgen macht uns der Holzwurmbefall. Zudem müssen der Staub entfernt und Fassungen befestigt werden“, meint der evangelische Dekan Gerhard Wolfermann. Daneben müssten Elektrik und Beleuchtung erneuert werden. Schließlich werde eine Reinigung der Orgel anstehen, wenn die Arbeiten innen einmal abgeschlossen sind.

Mit Blick auf den 600. Jahrestag der Grundsteinlegung am 17. Oktober 2027 wünscht sich Wolfermann, dass kein Gerüst mehr im Innenraum steht und die Orgel spieltüchtig ist. (00/4491/29.12.2022)

Von Timo Lechner (epd)