Bedford-Strohm: Mittelmeer-Fluchtroute trotz Krieg nicht vergessen (auch in Leichter Sprache)

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Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
München (epd).

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine davor gewarnt, andere humanitäre Katastrophen aus dem Blick zu verlieren. „Die Gefahr jedenfalls ist groß, dass wir beispielsweise die tödlichen Fluchtrouten im Mittelmeer nicht mehr so wahrnehmen“, sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bedford-Strohm nimmt beim Katholikentag in Stuttgart am Freitag (27. Mai) an einer Podiumsdiskussion zur Seenotrettung teil: „Das Thema ist nach wie vor sehr wichtig.“

Nach Angaben von Seenotrettungsorganisationen geraten weiterhin jede Woche Hunderte Geflüchtete auf den gefährlichen Mittelmeer-Routen in Seenot. „Unsere Aufgabe ist es, auf diesen Skandal, dass sich die europäischen Staaten nach wie vor aus der Seenotrettung Geflüchteter zurückgezogen haben, weiter hinzuweisen“, erläuterte der bayerische Landesbischof. Es dürfe nach wie vor „keine Option“ sein, den Geflüchteten beim Ertrinken einfach zuzusehen. „Deshalb war und ist gerade auch das kirchliche Engagement in der Seenotrettung absolut richtig“, erläutert er.

Dass sich einige europäischen Länder in der aktuellen Situation Flüchtlingen aus der Ukraine offener zeigen als vor Jahren gegenüber Geflüchteten aus dem arabischen Raum, löse bei ihm nicht etwa Verbitterung aus, sagte Bedford-Strohm: „Zuallererst nehme ich das mit Dankbarkeit zur Kenntnis. Denn man kann sich immer darüber freuen, wenn Menschen in Not geholfen wird.“ Gleichwohl müsse man sehr genau darauf achten, dass es keine Geflüchteten erster und zweiter Klasse gibt, erläuterte der Landesbischof: „Menschlichkeit kennt keine Abstufungen - es gibt sie ganz oder gar nicht.“

Bedford-Strohm erinnerte auch an weitere humanitäre Krisen wie etwa die Hungersnot und Dürre in ostafrikanischen Staaten wie Kenia. Zugleich müsse man sich klarmachen, dass man „alleine nicht alles Leid der Welt tragen oder auflösen kann“. Man dürfe sich trotzdem nicht immer vom aktuellen Nachrichtengeschehen und dem medialen Fokus leiten lassen: „Ich versuche, von Themen wie etwa der Seenotrettung, die mir wichtig sind, auch dann nicht den Blick abzuwenden, wenn sie mal nicht mehr in den größten Schlagzeilen landen.“ (00/1903/26.05.2022)

Landesbischof zu Rettung von geflüchteten Menschen auf dem Meer

von: epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt - Version in leichter Sprache

München (epd). Seit Mittwoch findet der Katholiken-Tag in Stuttgart statt. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nimmt daran teil. Der Evangelische Presse-Dienst hat davor mit Heinrich Bedford-Strohm gesprochen.

Es geht um die Rettung von geflüchteten Menschen auf dem Meer. Man sagt auch: See-Not-Rettung.

Heinrich Bedford-Strohm sagt: Der Krieg in der Ukraine bestimmt im Moment alle Nachrichten. Wir dürfen aber die anderen Probleme in der Welt nicht vergessen. Zum Beispiel die See-Not-Rettung im Mittelmeer.

Viele Menschen sind auf der Flucht. Sie flüchten zum Beispiel aus afrikanischen und arabischen Ländern. Viele flüchten mit Booten über das Mittelmeer. Das ist sehr gefährlich.

Die Boote sind zu voll oder kaputt. Man sagt auch: Sie geraten in See-Not. Viele Menschen ertrinken dabei.

Die europäischen Staaten machen zu wenig, um diese Menschen zu retten. Die Kirche muss darauf aufmerksam machen. Die Kirche darf nicht hinnehmen wie Menschen im Mittelmeer ertrinken. Die Kirche setzt sich für die See-Not-Rettung ein.

Die geflüchteten Menschen aus der Ukraine bekommen viel Unterstützung. Geflüchtete Menschen aus afrikanischen und arabischen Ländern haben in der Vergangenheit nicht so viel Unterstützung bekommen.

Für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine ist es einfacher. Heinrich Bedford-Strohm ist dankbar dafür. Er freut sich, dass den geflüchteten Menschen aus der Ukraine geholfen wird. Aber es darf keine Unterschiede geben.

Geflüchtete Menschen dürfen nicht in bessere oder schlechtere Menschen eingeteilt werden. Je nachdem aus welchem Land sie kommen. Alle geflüchteten Menschen müssen die gleiche Hilfe bekommen.

Es gibt noch viele andere Probleme auf der Welt. Zum Beispiel die Hungers-Not in Afrika. Dort müssen wir auch helfen.

Diese Probleme sind oft nicht in den Nachrichten. Wir bekommen dann nur noch wenige Informationen dazu.

Auch dann will Heinrich Bedford-Strohm die Probleme nicht vergessen. Ihm ist die See-Not-Rettung im Mittelmeer besonders wichtig.

Stichwort: Leichte Sprache

Hinweis: Termin: Internationaler Tag der Leichten Sprache, 28. Mai

Nürnberg (epd). Der 28. Mai ist seit dem Jahr 2020 der „Internationale Tag der Leichten Sprache“. Leichte Sprache dient der Inklusion. Rund zehn Millionen Menschen sind in Deutschland laut Dudenverlag auf Texte in Leichter Sprache angewiesen. Unter ihnen sind Menschen mit kognitiven Einschränkungen wie Demenz, funktionale Analphabeten und Einwanderer mit geringen Deutschkenntnissen.

Seit 2006 arbeiten Büros für Leichte Sprache aus Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden in einem Netzwerk zusammen. Sie diskutieren Standards für Texte der Leichten Sprache. Das Netzwerk Leichte Sprache hat dazu Regeln aufgestellt: Ein Satz hat sieben Wörter. Jeder Satz hat nur eine Aussage. Fremdwörter sind nicht erlaubt, oder sie müssen erklärt werden. Die Schrift ist zwölf Punkt oder größer. Konjunktiv und Genitiv, Abkürzungen, Jahreszahlen und Redewendungen: Das alles soll man vermeiden.

Es werden einfache Wörter verwendet, die etwas genau beschreiben, also zum Beispiel nicht „öffentlicher Nahverkehr“, sondern „Bus und Bahn“. Zusammengesetzte Hauptwörter sollen gekoppelt werden: also nicht Arbeitsgruppe, sondern Arbeits-Gruppe. Bildliche Sprache soll vermieden werden, weil viele Menschen die Texte wörtlich nehmen. Also zum Beispiel nicht „Rabeneltern“, denn mit Rabeneltern sind meistens nicht die Eltern von Rabenküken gemeint.

Weitere Regeln: Hohe Zahlen und Prozentangaben vermeiden: Statt „14.795 Menschen“ lieber „viele Menschen“, statt „14 Prozent“ lieber „einige/wenige“. Meistens sind Ziffern leichter zu verstehen als Worte: nicht „fünf Frauen“, sondern „5 Frauen“.

Sonderzeichen sollten erklärt werden, zum Beispiel: „Ein Paragraf ist ein Teil in einem Gesetz. Das Zeichen für Paragraf ist: §. Jeder Paragraf hat eine Nummer.“ Das Netzwerk Leichte Sprache fordert, alle Texte und Bilder von Menschen mit Lernschwierigkeiten prüfen lassen. Nur sie könnten wirklich feststellen, ob Betroffene den Text auch verstünden.

Die Rummelsberger Diakonie hat sich dem Social Franchise Netzwerk capito angeschlossen und ist unter capito Nordbayern Ansprechpartner in der Region Nordbayern, der sich auch für Leichte Information einsetzt. Capito bietet die Übertragung von Texten in eine leicht verständliche Sprache. Das Netzwerk capito setzt sich für eine zielgruppengerechte Information ein und überträgt Texte in 3 Sprachstufen nach einem TÜV-zertifizierten System. Zum Beispiel Arbeitsanweisungen, Präsentationen, Unternehmens-Flyer. Auch das Gespräch mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zur Seenotrettung im aktuellen Angebot des Evangelischen Pressedienstes (epd) hat capito übersetzt.

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt