Was Pfingsten mit Shawuot zu tun hat

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Kirchen starten in 2021 Plakat-Kampagne gegen Antisemitismus
Jüdische und christliche Feiertage haben zum Teil inhaltliche Überschneidungen
Würzburg (epd)

Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum. Und doch ist das Wissen über das Judentum und seine Feste im mehrheitlich christlich geprägten Deutschland nicht gerade groß. So hat der jüdische Kalender zum Beispiel in aller Regel auch zwölf Monate, deswegen "begegnen" sich christliche und jüdische Feste immer mal wieder im Jahreslauf. Am Auffälligsten ist das beim jüdischen "Lichterfest" Chanukka - denn Chanukka fällt fast immer in die Adventszeit, manchmal auch direkt auf Weihnachten. Inhaltlich haben die beiden Feste allerdings nichts miteinander zu tun.

Juden zünden zu Chanukka an acht aufeinanderfolgenden Tagen acht Kerzen an einem speziellen Leuchter an. Sie feiern damit die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Eine Überlieferung besagt, dass der Leuchter im Tempel nicht erlöschen durfte, doch es gab nur noch einen Krug geweihtes Öl. Wie durch ein Wunder ließ dieser eine Krug den Leuchter acht Tage brennen - genau so lange, wie die Juden damals benötigten, um neues Öl zu machen. Heute erinnern sie mit dem achtarmigen Leuchter daran. Christen dagegen feiern an Weihnachten die Menschwerdung Gottes.

"Jüdische Feiertage haben erst einmal grundsätzlich nichts mit christlichen zu tun", sagt Annette Taigel, die seit vielen Jahren als Ehrenamtliche im Museum des Jüdischen Gemeindezentrums "Shalom Europa" in Würzburg arbeitet. Natürlich fragten manche Besucher nach Parallelen oder Gemeinsamkeiten, aber die gebe es nicht wirklich. "Und wenn, dann müssten sich die christlichen Feste ja aus dem älteren Judentum ableiten", erläutert sie. Auch wenn es keine direkten Bezüge zwischen den Festen gibt, so sind doch ein paar thematische Überschneidungen vorhanden.

Beispiel: Pessach und Ostern. Beide Feste erinnern auf ihre Art an das befreiende Handeln Gottes - beim jüdischen Pessach geht es um den Auszug der Israeliten aus Ägypten, also die Befreiung von der Sklaverei, beim christlichen Osterfest um Jesu' Auferstehung, also um den Sieg des Lebens über den Tod. So steht es in einer Unterrichtshandreichung der Initiative "Jüdisch beziehungsweise Christlich", die von der katholischen und evangelischen Kirche mit dem Zentralrat der Juden anlässlich des Festjahres 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland ins Leben gerufen wurde.

Beim jüdischen Shawuot und dem christlichen Pfingsten gibt es der Initiative zufolge klare Gemeinsamkeiten. Beim "Wochenfest" feiern die Juden zum einen eine Art Erntedankfest, zum anderen erinnern sie an den Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai, also den Bundesschluss Gottes mit dem Volk Israel. Das christliche Pfingstfest ist aus dem Shawuot entstanden: Christen feierten an Pfingsten ursprünglich auch den Bundesschluss Gottes mit Israel, allerdings auch dessen Ausweitung auf andere Völker. Heute wird an Pfingsten die Aussendung des Heiligen Geistes gefeiert.

Äußerliche Ähnlichkeiten zum mitteleuropäischen Karneval oder Fasching gibt es beim jüdischen Purim. Juden verkleiden sich an diesem Fest, sie betrinken sich, essen viel. Doch der Hintergrund ist ein sehr ernster, das Fest erinnert an ein geplantes Massaker an den Juden in Persien. Es wird letztlich von Esther verhindert, die Juden feiern bei Purim also die Verwandlung eines enormen Unglücks in Freude. Das karnevaleske Treiben haben die Juden sich vermutlich von den Christen in Europa abgeschaut. Wie alle jüdischen Feste beginnt auch Purim bereits am Vorabend.

Auch das jüdische Laubhüttenfest Sukkot und das christliche Erntedankfest setzt die neue Initiative "Jüdisch beziehungsweise Christlich" zueinander in Verbindung: Sukkot erinnere an "das Überleben in der Wüste" und feiere den Abschluss der Ernte, Christen danken für die reichen Früchte der Erde und bitten um Bewahrung der Schöpfung. Sukkot jedoch, für das Juden eigens eine Laubhütte zum Essen, Feiern und Beten errichten, dauert länger als eine Woche, während die Christen nur einen Tag lang feiern, in der Regel ist dies der erste Sonntag im Oktober.

Neben den religiösen Festen im Jahreslauf haben Judentum und Christentum noch weitere Anknüpfungspunkte. Christen feiern mit der Taufe die Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft, Juden mit der Brit Mila - der Beschneidung der Söhne - den Bund mit Gott. Und während Juden bei der Bar-Mizwa oder der Bat-Mizwa das Erwachsenwerden feiern, sind es bei den Christen die katholische Firmung und die evangelische Konfirmation. Historisch betrachtet ist das Judentum im übrigen auch "Erfinder" der Sieben-Tage-Woche - mit dem Ruhetag Shabbat, dem christlichen Sonntag. (00/1070/27.03.2021)

Von Daniel Staffen-Quandt (epd)