Das härteste Ei gewinnt

Kinder schlagen hartgekochte Eier aneinander.
Das stärkste Ei gewinnt. In Velburg im Landkreis Neumarkt wird am Ostermontag das härteste Ei gesucht. Auch die Kinder haben sichtlich Vergnügen am Eierpecken.
Vom "Oiapicka", "Oierhiartn" und Osterritten: Österliches Brauchtum in Ostbayern
Regensburg. (epd)

Von außen wirkt ein Hühnerei kalt und wie tot, doch aus seinem Inneren erwächst neues Leben. Deshalb wurde das Ei im Christentum zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Es stand symbolisch für das Grab in Jerusalem, aus dem Jesus Christus am Ostermorgen von den Toten auferstanden ist. Diese Vorstellung fand man sogar in Merksprüchen wieder wie "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen".

In der Oberpfalz wird dem Ei zu Ostern auf vielfältige, oft lustige Weise gehuldigt. Ein beliebter Osterbrauch ist dabei das Eierpecken, das "Oarbecka", wie die Altbayern sagen. In der Oberpfalz nennt man es auch "Oiapicka" oder "Oierhiartn" (Eierhärten). Der Volkskundler Franz Schönwerth beschreibt das lustige Spiel vor fast 130 Jahren so: "Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen." Ein Mitstreiter schlägt also mit der Spitze seines hart gekochten Eis gegen das Ei seines Gegners. Sieger ist derjenige, dessen Ei zuletzt ohne Bruch bleibt.

Am Ostersonntag startet dieses große Eierpecken in Cham im Bayerischen Wald. Rund 300 hart gekochte Ostereier nimmt Birgit Schmidberger, die Chefin der Tourist-Information, mit auf den Marktplatz, damit nach den Gottesdiensten gegen 11.30 Uhr der traditionelle Wettkampf beginnen kann. "Wir kaufen die Eier und stellen sie zur Verfügung, damit niemand mit einem Holz- oder Plastik-Ei schummeln kann", sagt sie und spielt auf eine Anekdote aus der Zeit an, als der Brauch des "Oiapicka" wiederentdeckt wurde: 1967 nahm der damalige Chamer Bürgermeister Michael Zimmermann die Tradition wieder auf und ging aus dem Duell gegen den damaligen Landrat als Sieger hervor, was nicht weiter verwunderte: Er hatte ein rotes Holz-Ei benutzt.

Der Brauch mit den hart gekochten Eiern wird heute an vielen Orten in der Oberpfalz zelebriert: In Velburg im Landkreis Neumarkt heißt es am Ostermontag um 9.30 Uhr vor dem Gottesdienst auf dem Platz vor der Wallfahrtskirche St. Wolfgang: "Das härtere Ei beim Oiapicka gewinnt - und der Besitzer bekommt das Ei des Verlierers", erklärt Wolfgang Schön aus Velburg. Alt und Jung machen dabei mit und haben ihre Gaudi.

Auch in Mitterteich im Landkreis Tirschenreuth wird der Brauch des "Oierhiartn" gepflegt, am Ostersonntag um 13.30 Uhr am Heimatbrunnen auf dem Johannisplatz. Dort wird der sportliche Wettkampf mit dem Spruch "Spitz auf Spitz, Ruck auf Ruck" vom örtlichen Burschenverein am Leben erhalten. Körbeweise hart gekochte und bunte Eier stehen bereit, wenn Kinder und Erwachsene um den Brunnen laufen, immer auf der Suche nach einem neuen Gegner. Dem Ei gehuldigt wird aber vor allem durch das Ostereiersuchen.

In Zwiesel findet wohl die größte Ostereiersuche im Bayerischen Wald statt. Am Karsamstag (ab 10 Uhr) und am Ostersonntag können Kinder bis zwölf Jahre im gesamten Stadtgebiet auf die Suche nach den mehr als 3000 Ostereiern gehen. Bei erfolgreicher Suche, maximal dürfen acht Eier mitgenommen werden, können diese ab 14 Uhr am Rathaus gegen einen Preis eingetauscht werden. Auch in St. Englmar ist der Osterhase fleißig. Er versteckt am Ostersonntag im Kurpark 1000 bunte und 20 goldene Eier, die Jagd beginnt um 11 Uhr.

Seit Jahrhunderten gibt es im weltlichen Brauchtum an Ostern aber auch Reiterprozessionen. Eine der bekanntesten und mit ihrer über 265-jährigen Tradition eine der ältesten Prozessionen ist der Leonhardiritt in Furth im Wald. Am Vormittag des Ostermontags reiten etwa 300 prächtig geschmückte Pferde mit Reiter und Kutschen zur Leonhardi-Kapelle.

Die Pferdebesitzer erfüllen damit ein Gelöbnis aus der Zeit des Österreichischen Erbfolgekriegs, als 1742 der ganze Further Winkel von einer Viehseuche heimgesucht wurde und nahezu den gesamten Viehbestand der Bauernschaft dahinraffte. Auch in Regen gibt es einen Oster-Ritt. Am Ostermontag reiten dort rund 400 Kalt- und Warmblüter auf dem Stadtplatz ein, um den Segen für Pferd und Reiter zu erbitten.

Von Gabriele Ingenthron (epd)