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Zeitungshäuser in Münsterland und Ostwestfalen wollen fusionieren
Journalistenverband reagiert besorgt
Bielefeld/Münster (epd). Die Bielefelder Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt und der Zeitungsverlag Aschendorff in Münster führen ihre Medienaktivitäten unter einem Dach zusammen. Beide Häuser haben zum 1. Januar die Westfälische Medien Holding AG gegründet, wie sie mitteilten. Das Fusionsvorhaben stehe noch unter dem Vorbehalt einer Freigabe durch das Bundeskartellamt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appellierte an die Verlage, keine Stellen abzubauen.

An den Strukturen der beiden Unternehmen ändere sich durch die Fusion nichts, betonten die Verlage. Beide Unternehmensbereiche sollen demnach als Tochtergesellschaften der neuen Holding weitergeführt werden. Flaggschiffe der beiden Medienhäuser sind die lokalen Tageszeitungen: Im Verlag Aschendorff erscheinen die "Westfälischen Nachrichten" und die "Münstersche Zeitung" mit einer verkauften Auflage von zusammen gut 106.000 Exemplaren im dritten Quartal 2018. Das "Westfalen-Blatt" verkaufte im dritten Quartal alleine ebenfalls rund 106.000 Exemplare.

In der Holding bündeln die Verlage außerdem ihr Anzeigenblatt-, Druckerei-, Rundfunk- und Reisebürogeschäft. Die Unternehmensgruppe Aschendorff ist bereits seit 2011 über die C.W. Busse Holding finanziell am "Westfalen-Blatt" beteiligt.

Die Fusion sei eine Reaktion auf die großen Herausforderungen im Bereich des Marktes für Regionalzeitungen, sagte der Chefredakteur der "Westfälischen Nachrichten" (WN), Norbert Tiemann, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Auflagen nähmen nicht mehr zu, Anzeigenerlöse stagnierten und auch die digitalen Angebote erwirtschafteten noch nicht genug. Zugleich seien die Kosten für die Zustellung besonders in ländlichen Räumen wie dem Münsterland und Ostwestfalen erheblich gestiegen, erläuterte Tiemann.

Der Verlag des "Westfalen-Blattes" erklärte, beide Unternehmen sähen in der Bündelung der Aktivitäten bessere Zukunftsperspektiven. Eine Weiterentwicklung betreffe sowohl den Print- als auch den Digitalbereich. Unmittelbar nach Gründung der Holding stellten sich Fragen nach Veränderungen und Synergien jedoch noch nicht, unterstrich das Bielefelder Medien-Unternehmen. Auch WN-Chefredakteur Tiemann sagte, man wolle zwar nach Synergiepotenzialen suchen, es gebe jedoch noch keine konkreten Themen. Für Zeitungsleser, Anzeigenkunden und Mitarbeiter werde sich nichts ändern, sagte Tiemann.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wertete die Gründung der Westfälischen Medien Holding als "endgültige Übernahme" des "Westfalen-Blatts" durch die Aschendorff-Gruppe. Der DJV setze darauf, dass die Fusion nicht zum Abbau von Arbeitsplätzen an einem der beiden Standorte führe, sagte der NRW-Landesvorsitzende des Verbands, Frank Stach. Eine Zusammenlegung der Mantelredaktionen wäre "ein weiterer Schlag für die Medienvielfalt in Nordrhein-Westfalen".

Der Aschendorff-Verlag hatte die "Münstersche Zeitung" 2014 vom Dortmunder Medienhaus Lensing ("Ruhr Nachrichten") übernommen. Den Lokalteil der "Münsterschen Zeitung" steuert seitdem die Redaktion des einstigen Konkurrenzblattes "Westfälische Nachrichten" bei, der Mantel kommt weiter aus dem Medienhaus Lensing.