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WDR-Direktoren im Amt bestätigt
Direktionen sollen neu zugeschnitten werden
Köln (epd). Der WDR-Rundfunkrat hat am Dienstag Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und Hörfunkdirektorin Valerie Weber jeweils mit großer Mehrheit wiedergewählt. Schönenborn erhielt in der geheimen Abstimmung 41 der abgegebenen Stimmen, acht stimmten mit Nein, vier enthielten sich. Für Weber sprachen sich 44 Gremienmitglieder aus - bei jeweils fünf Nein-Stimmen und Enthaltungen. Notwendig war eine einfache Mehrheit von 31 Stimmen im 60 Mitglieder starken Aufsichtsgremium.

Sowohl Schönenborn als auch Weber sind seit Mai 2014 im Amt. Ihre neuen Verträge laufen von Mai 2019 bis April 2024. Intendant Tom Buhrow hatte Schönenborn und Weber bei der letzten Sitzung des Rundfunkrats am 27. September zur Wiederwahl vorgeschlagen.

Die Aufgabenbereiche der beiden Direktionen sollen im Zuge des derzeit laufenden crossmedialen Umbaus des Senders neu zugeschnitten werden: Schönenborn soll nach Angaben von Buhrow für das WDR-Fernsehen, die Zulieferung zum ARD-Programm und für den noch einzurichtenden Newsroom verantwortlich sein, der die aktuelle Berichterstattung in Fernsehen, Hörfunk und Online organisiert. Der von Valerie Weber geleiteten Direktion sollen die ebenfalls crossmedial organisierten Redaktionen für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie die Kinderprogramme zugeordnet werden.

Beide Direktoren sind im Sender umstritten. Schönenborn (54), der seine gesamte journalistische Karriere beim WDR verbrachte und dem Fernsehpublikum insbesondere als Fachmann für Umfragen und Wahl-Analysen bekannt ist, war im Zusammenhang mit der Affäre um Belästigungsvorwürfe gegen WDR-Mitarbeiter in die Kritik geraten. Ihm wurde in einem mehrere Jahre zurückliegenden Fall vorgehalten, als damaliger Chefredakteur Hinweisen gegen einen Fernsehkorrespondenten nicht entschieden genug nachgegangen zu sein.

Schönenborn bezeichnete die Kritik der ehemaligen Gewerkschafterin Monika Wulf-Mathies, die in einem Gutachten zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle dem WDR "strukturelle Defizite" bescheinigt hatte, als "absolut richtig". Die bisherige Struktur der Fernsehdirektion sei 45 Jahre alt.

Valerie Weber, die 2014 vom Privatsender Antenne Bayern nach Köln gewechselt war, stieß mit Programmreformen bei den verschiedenen Hörfunkwellen intern zum Teil auf erhebliche Vorbehalte. Zuletzt bescheinigte ein vom Rundfunkrat bestelltes Gutachten der aktuellen Welle WDR2 einen hohen Informationsumfang, kritisierte aber eine mangelnde Vielfalt an journalistischen Darstellungsformen. Außerdem wurde die "programmprägende Rolle" von Gewinnspielen bei WDR2 und WDR4 moniert.

Weber sagte, es sei ihre eine "Herzensangelegenheit", das Thema Heimat im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung in den Vordergrund zu stellen. Menschen würden nach Verlässlichkeit im großen Ganzen, aber auch nach Geborgenheit suchen. Der WDR müsse dazu beitragen, ein modernes Heimatgefühl zu prägen. Lokale Tageszeitungen würden immer weniger gelesen. "Kein Sender in der ARD hat so hervorragende Möglichkeiten, dies zu kompensieren, wie der WDR", sagte sie.