Ethik
Visaprobleme in Afghanistan erschweren Friedensdorf-Engagement
Auswärtiges Amt kündigt kurzfristig Unterstützung an
Oberhausen (epd). Das Friedensdorf International kann möglicherweise doch einen für August geplanten Hilfseinsatz für verletzte und kranke Kinder aus Afghanistan realisieren. Am Mittwoch habe das Auswärtige Amt Visa für zumindest 50 Kinder in Aussicht gestellt, teilte das Friedensdorf mit. Ob der Einsatz kurzfristig in der sonst üblichen Form erfolgen kann, werde derzeit geprüft. Logistische Faktoren wir die Buchung eines Charter- oder Linienfluges müssten berücksichtigt werden. Auch die Auswahl der Kinder, die nach Deutschland zur medizinischen Behandlung gebracht werden, benötige ein entsprechendes Zeitfenster für die deutschen Helfer vor Ort.

Das Friedensdorf hatte mitgeteilt, eine weitere Hilfsaktion für verletzte und erkrankte Kinder aus Afghanistan absagen zu müssen, da erneut Visa für Deutschland nicht fristgerecht ausgestellt werden können. Nach dem Attentat auf die deutsche Botschaft in Kabul im Mai vergangenen Jahrs war die Visastelle geschlossen worden. Ein dadurch verhinderter Flug mit Verletzten und Kranken zur Behandlung in Deutschland habe erst im Februar dieses Jahres nachgeholt werden können.

Zeitliche Verschiebungen seien für die Hilfsorganisation, die die Transporte der Kinder und ihre Verteilung auf deutsche Krankenhäuser mit langen Vorlaufzeiten vorbereite, problematisch, hieß es. Kinder aus anderen Krisen- und Kriegsgebieten hätten für bestimmte Termine bereits Zusagen erhalten und die Kapazitäten des Friedensdorfes seien begrenzt.

Im Februar hatte das Friedensdorf 98 Kinder aus Afghanistan und weitere 29 aus anderen zentralasiatischen Ländern in die Bundesrepublik geholt. Schon im August vergangenen Jahres sei vielen Familien die erhoffte Hilfe versagt worden. Jetzt stehe man wieder vor dieser Situation. Seit 30 Jahren kümmere sich das Friedensdorf um Kinder aus Afghanistan, arbeite eng mit dem dortigen Roten Halbmond zusammen und gelte als verlässlicher Partner. Durch die Schwierigkeiten mit den Behörden gerate der gute Ruf des Friedensdorfes und auch die Kooperation selbst in Gefahr.

Das Friedensdorf wurde 1967 gegründet und nimmt pro Jahr rund 1.000 Kinder auf, um sie hier zu betreuen und medizinisch behandeln zu lassen. Anschließend kehren die Mädchen und Jungen wieder in ihre Heimat zurück. Bei ihrer Arbeit ist die Hilfsorganisation im Wesentlichen auf Spenden angewiesen.