Soziales
Verband warnt vor Pflegeheimsterben in NRW
Düsseldorf (epd). Der Bundesverband privater Anbieter Sozialer Dienste (bpa) bekräftigt seine Warnung vor einem weiteren Verlust stationärer Pflegeangebote auch in Nordrhein-Westfalen. Ab dem Jahr 2020 könnte NRW ein Pflegeheimsterben erleben, wenn nicht schnell und wirksam entgegengesteuert werde, erklärte der bpa-Landesvorsitzende Christof Beckmann in Düsseldorf. Auf dem Jahresempfang des Verbands, der nach eigenen Angaben allein in NRW knapp 1.700 Mitgliedseinrichtungen umfasst, verwies Beckmann auf das Auslaufen des aktuellen Bestandsschutzes für Pflegeheime in Mietimmobilien. Das Ende des Bestandsschutzes werde ab dem kommenden Jahr Existenzen vernichten und die Pflegeinfrastruktur in NRW deutlich und langfristig beschädigen.

Die Politik dürfe die Warnungen der Branche nicht einfach als "Klappern, das zum Handwerk gehört" abtun, mahnte der Verband. Vielmehr müsse sich die Landesregierung ernsthaft mit der drohenden Unterversorgung beschäftigen. "Pflegebedürftige und ihre Familien finden schon heute vielfach keinen Pflegeheimplatz, weil die Umsetzung der Einzelzimmerquote bereits 5.000 Plätze hat verschwinden lassen", erklärte Beckmann. Auch ambulante Dienste könnten nur noch einen kleinen Teil der Anfragen bedienen.

Aufgrund der Föderalismusreform 2006 wurde die heimrechtliche Kompetenz auf die Länder übertragen, mit der Folge gesetzlich erhöhter baulicher Anforderungen. Eine Übergangsfrist ist in Nordrhein-Westfalen bereits im vergangenen Jahr ausgelaufen. Unter anderem wird in NRW ab 2020 die maximale Bettenzahl pro Heim auf 100 beziehungsweise 80 beschränkt. Der Einzelzimmeranteil liegt bei 80 Prozent, bei Neubauten sogar bei 100 Prozent. Eine Kompensation der dadurch reduzierten Pflegeplätze durch eine Vergrößerung der Heime ist in NRW nicht möglich. Heime müssen im kommenden Jahr auf einer grundsätzlich neuen Kalkulationsgrundlage wirtschaftlich betrieben werden. Auch künftige Anforderungen an die bauliche Ausstattung, etwa bei sanitären Einrichtungen, sorgen für zusätzliche Belastungen.