Soziales
Umfrage: Mehrheit der Deutschen lehnt "Social-Credit-System" ab
Köln (epd). Die Mehrzahl der Deutschen (68 Prozent) ist einer Umfrage zufolge gegen ein "Social-Credit-System", wie es die chinesische Regierung 2020 einführen möchte. Lediglich jeder Sechste (17 Prozent) befürwortet solch ein soziales Bewertungssystem. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Kölner Marktforschungsinstituts YouGov in Kooperation mit dem Sinus-Institut hervor.

Nach dem geplanten Punktesystem können Bürger den Angaben zufolge "gutes" Verhalten mit positiven Punkten belohnen, "schlechtes" Benehmen hingegen nicht. "Gut" bewertete Chinesen sollen dann etwa Bonuszahlungen erhalten, "schlecht" bewerteten sollen etwa keine Flugtickets kaufen können. In Peking startete bereits eine Testversion des Systems, das bald für mehr als 22 Millionen Einwohner gelten soll.

Positiver kommt dagegen die Idee der Bewertung des sozialen Verhaltens von Mitmenschen an, wenn die Fragesteller den Verweis auf China weglassen: 40 Prozent der Deutschen würden der Umfrage zufolge gerne das Verhalten ihrer Mitmenschen bewerten. Fast genauso viele (39 Prozent) haben auch kein Problem damit, wenn sie selbst bewertet würden. Das liege daran, dass China häufig negativ bewertet werde, erklärte eine Sprecherin des Marktforschungsinstituts. Die Idee hinter dem "Social-Scoring" fänden die Menschen aber gar nicht so schlecht.

Angenommen es gäbe ein soziales Bewertungssystem nach chinesischem Vorbild in Deutschland, unterstützt jeder sechste Deutsche (18 Prozent) Strafen für Menschen mit niedriger Punktzahl. Dazu zählen etwa die Möglichkeit für Unternehmen, dass sie Kunden mit schlechtem Ranking ablehnen können (36 Prozent), höhere Steuern (33 Prozent) und Geldstrafen (32 Prozent). Eine Mehrheit von 70 Prozent lehnte Sanktionen ab.

Auch eine Belohnung von Menschen mit hohem Punktestand verneinen 64 Prozent der Befragten. Jeder vierte Deutsche (25 Prozent) befürwortet Vorteile wie einen schnelleren Zugang zu Konsumkrediten, Beförderungen oder Bearbeitung von Amtsvorgängen.

Als Nachteile des Systems bezeichneten die Befragten inkorrekte Bewertungen (61 Prozent), ein Misstrauen der Bevölkerung untereinander (55 Prozent) sowie langfristige Stigmatisierung und Rufschädigung (50 Prozent). Mehr als ein Drittel der Befragten sehen der Umfrage zufolge zudem keine Vorteile in den Bewertungen des Sozialverhaltens (39 Prozent). Viele erhoffen sich moralisch besseres Verhalten (31 Prozent) oder ein harmonischeres Miteinander (24 Prozent).

An der repräsentativen Online-Umfrage nahmen zwischen dem 24. und 29. Januar 2.036 Menschen teil.