Kirche
Der fruehere Mainzer Bischof Karl Lehmann ist tot. Der Kardinal starb am fruehen Sonntagmorgen im Alter von 81 Jahren.
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Trauer um Kardinal Karl Lehmann
Ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gestorben
Mainz, Bonn (epd). Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der frühere Mainzer Bischof und langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz starb am Sonntag im Alter von 81 Jahren, wie das Bistum Mainz mitteilte. Lehmann galt als einer der prägendsten Repräsentanten der katholischen Kirche. Er genoss den Ruf eines besonnenen Reformers. Nach seiner Emeritierung mit 80 Jahren im Mai 2016 hatte er im vergangenen September einen Schlaganfall und eine Hirnblutung erlitten.

Kirchen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft bezeichneten Lehmann am Sonntag einhellig als unermüdlichen Brückenbauer. Kardinal Reinhard Marx erinnerte an den Verstorbenen als eine prägende Kirchenpersönlichkeit und Menschenfreund. "Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit, die die katholische Kirche weltweit wesentlich mit geprägt hat", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würdigte Lehmann als "Mitstreiter für das ökumenische Miteinander".

Lehmann, der Philosophie und Theologie studierte, empfing 1963 die Priesterweihe. Von 1962 bis 1965 nahm er als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner (1904-1984) am Zweiten Vatikanischen Konzil teil, dessen weitreichenden Beschlüsse die Öffnung der römisch-katholischen Kirche hin zur modernen Welt und zur Ökumene einleiteten. Ab 1968 unterrichtete Lehmann als Theologieprofessor an den Universitäten Mainz und Freiburg, bis er 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt wurde.

Von 1987 bis 2008 war Lehmann Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Im langwierigen Streit um den vom Vatikan geforderten Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung musste er sich 1999 einem Machtwort von Johannes Paul II. beugen. 2001 verlieh der Papst dem Mainzer Bischof überraschend die Kardinalswürde, nachdem Lehmann zuvor auffallend lange nicht in den Kreis der Kardinäle aufgenommen worden war.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den gestorbenen Kardinal als Mann klarer Worte. Lehmann habe "bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz" auch die politische Kontroverse nicht gescheut, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens gegangen sei. Dabei habe Lehmann der ökumenische Dialog immer am Herzen gelegen. "Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, sie denke mit tiefer Dankbarkeit an die guten Gespräche und Begegnungen. Sie erinnerte an Lehmann als "begnadeten Vermittler" im Geist der Ökumene, aber auch zwischen Christen und den Gläubigen anderer Religionen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) betonte, Lehmann sei ein Mann des Dialogs zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik gewesen.

Die führenden evangelischen Geistlichen in Rheinland-Pfalz und Hessen würdigten Lehmann als "entscheidenden Brückenbauer zwischen katholischer und evangelischer Kirche in Deutschland und darüber hinaus". Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte, Kardinal Lehmann habe sich stets mit Sensibilität und Klugheit für ein gutes Verhältnis von Christen und Juden eingesetzt. Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" nannte Lehmann einen Ausnahmetheologen, der sich zeitlebens für die Erneuerung der Kirche stark gemacht habe.

Auch leitende Theologen aus Nordrhein-Westfalen würdigten Lehmann als herausragenden Theologen und Vermittler. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nannte Lehmann einen exzellenten theologischen Denker und den Menschen zugewandten Seelsorger. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, erinnerte an das intensive ökumenische Miteinander und hob Lehmanns Humor und Bodenständigkeit, seinen Gerechtigkeitssinn und sein soziales Gewissen hervor.

epd-West bas max