Ethik
Südwind fordert günstigere private Geldtransfers in arme Länder
Bonn (epd). Das entwicklungspolitische Institut Südwind fordert für Migranten schnellere und günstigere Geldtransfers in ihr Heimatland. Diese Geldsendungen seien weltweit häufig mit teuren Gebühren belastet und dauerten zu lang, erklärte Südwind in Bonn. Das Institut verwies darauf, dass derartige kleinere Überweisungen in Höhe von etwa bis zu 300 US-Dollar für viele Familien in Entwicklungsländern die Haupteinnahmequelle darstellten.

Im vergangenen Jahr überwiesen Migranten auf der ganzen Welt über 440 Milliarden US-Dollar in Entwicklungsländer, wie Südwind erklärte. Dies sei das Dreifache der Summe, die die Industrieländer insgesamt als öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellten. Etwa 800 Millionen Menschen in Entwicklungsländern würden von diesen Heimatüberweisungen direkt unterstützt. Für viele Familien stellen die Transfers bis zu 60 Prozent ihres Einkommens dar. Sie werden größtenteils für Ausgaben des unmittelbaren Bedarfs wie Essen, Obdach, Kleidung oder Gesundheit verwendet.

Doch schon der weltweite Durchschnittspreis von etwa 14 US-Dollar bei einer Überweisung von 200 US-Dollar sei zu hoch, kritisierte Südwind. Geldtransfers zwischen bestimmten Ländern in Subsahara-Afrika könnten bis zu 20 Prozent des gesendeten Betrags kosten. Mit 7,2 Prozent durchschnittlichen Kosten für eine Überweisung von Deutschland ins Ausland liege die Bundesrepublik nicht nur über dem weltweiten Durchschnitt, sondern sei nach Großbritannien auch das teuerste Land innerhalb der Europäischen Union.

Kreditinstitute seien verpflichtet, Geldflüsse mit Blick auf Geldwäsche, Finanzierung von Terrorismus und betrügerischen Tätigkeiten zu beobachten, erläuterte Südwind. Die verschärfte Regulierungen des internationalen privaten Geldflusses lasse die Kosten steigen. Außerdem sinke die Vielfalt des Angebotes, weil sich Dienstleister aus dem Geschäft zurückziehen oder keine Lizenzen mehr erhalten. Dies führe dazu, dass Menschen auf informelle Kanäle umsteigen und Geldflüsse sich der Kontrolle durch Staaten und Finanzinstitutionen entziehen.

Das wirtschaftliche und entwicklungspolitische Potenzial von Heimatüberweisungen sei bereits von der internationalen Politik anerkannt worden, erläuterte Südwind. So einigten sich die G20 im Jahr 2014 darauf, "Nationale Pläne für Heimatüberweisungen" (NRP) mit Handlungsempfehlungen zur Senkung der Kosten zu entwickeln. Die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" formuliere das Ziel, bis 2030 die weltweiten durchschnittlichen Kosten auf drei Prozent zu senken. Was nun fehle, sei ein Dialog zwischen relevanten Akteuren aus Politik und Wirtschaft, um diese Ziele zu erreichen, betonte Südwind.