Kirche
Das Geburtshaus und heutige Raiffeisenmuseum in Hamm (Rheinland-Pfalz).
© Rathaus Hamm (Sieg)/Doering / Rathaus Hamm (Sieg)/Doering
Rheinischer Präses würdigt Bedeutung der Genossenschaftsidee
Mainz, Düsseldorf (epd). Mit einem Festakt im Kurfürstlichen Schloss in Mainz hat das Land Rheinland-Pfalz an den 200. Geburtstag des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) erinnert. In einem Festgottesdienst rief der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, dazu auf, das Auseinanderdriften der Gesellschaft nicht hinzunehmen. Die Spaltung der Welt in Arm und Reich müsse überwunden werden, forderte Rekowski laut Predigttext: "Ausgleich, nicht Sicherung des Vorsprungs, muss das Programm heißen."

Das müsse auch für die Verteilung von Entwicklungshilfegeld und den Abschluss von Handelsverträgen gelten, forderte der leitende Theologe der zweitgrößten deutschen Landeskirche. Die "himmelschreiende Ungleichheit zwischen Ländern und Kontinenten" sei derzeit eine der wichtigsten Ursachen für die weltweiten Fluchtbewegungen. Schon für Raiffeisen sei klar gewesen, dass hungernden Menschen geholfen werden müsse - "am besten durch Selbsthilfe", betonte Rekowski. Der Gründer der Genossenschaftsidee habe somit schon im 19. Jahrhundert das Gemeinwohl ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns gestellt.

Bei dem anschließenden Festakt betonte auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Bedeutung von Raiffeisens sozialen Reformen: "In Zeiten von Globalisierung und Individualisierung ist die Genossenschaftsidee überzeugender und moderner denn je."

In den kommenden Wochen sind in Rheinland-Pfalz weitere Veranstaltungen zum Geburtstag des Sozialreformers aus dem Westerwald geplant. Die rheinische Landeskirche erinnert am 18. März mit einem Festtag in Raiffeisens Geburtsort Hamm/Sieg an den Genossenschaftsgründer. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Schirmherrschaft über das Jubiläumsjahr übernommen hat, will am 20. März das Raiffeisenhaus in Flammersfeld besuchen.

Raiffeisen hatte als Bürgermeister in der Westerwald-Region aus einer christlichen Grundhaltung heraus Sozialreformen angestoßen, um die Not der örtlichen Bauern zu lindern. Mit einem "Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirthe" wollte er den Landwirten Zugang zu zinsgünstigen Krediten verschaffen.