Kirche
Moraltheologe: Engagement für den Frieden ist keine Sentimentalität
Köln (epd). Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sieht im Engagement für den Frieden mehr als "christliche Sentimentalität", sondern ein Fundament des christlichen Glaubens. Die Bergpredigt erwarte keinerlei Vorleistungen von den Menschen, sagte Schockenhoff in Köln. Die Seligpreisungen richteten sich an Benachteiligte wie Arme, Trauernde und Verfolgte. Und sie richteten sich an Friedensstifter, unterstrich er in seiner Predigt im ökumenischen Gottesdienst auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen (ACK) in Köln in der Kirche St. Gereon: "Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden".

Damit seien nicht jene gemeint, die die bloße Abwesenheit von Aggression als Frieden bezeichneten, betonte der Theologieprofessor der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, der zur Jahreslosung "Suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34) predigte. Gemeint seien die, die leidenschaftlich engagiert seien für einen stabilen Frieden. "Die, die mit sich selbst in Frieden sind, können auch mit anderen in Frieden leben. Der Gerechte leidet lieber, als anderen Leid anzutun." Und das sei keine schwache christliche Sentimentalität. "Kein Krieg bietet mehr die Aussicht, einem Volk mehr Nutzen als Schaden zu verursachen."

In Sachen Friedensethik gebe es eine große ökumenische Übereinstimmung, sagte Schockenhoff, der sich im vergangenen Jahr mit der Publikation "Kein Ende der Gewalt?" zur Friedensethik in einer globalisierten Welt äußerte. Der gerechte Frieden in der politischen Welt sei der Friede durch Recht, sagte er. In der Nachfolge der Ethik Immanuel Kants bedeute dies für die heutige Zeit den Einsatz für Menschenrechte, Förderung der Demokratie, gerechten Welthandel und den Ausbau internationaler Organisationen. "Der Friede Gottes, der größer ist als unsere Vernunft, ist uns zur Nachahmung aufgegeben. Wir werden ihn nie vollständig erreichen. Aber wir richten uns nach ihm aus."