Kultur
Münsteraner Forscher entdecken seltene antike Badeanlage in Türkei
Münster (epd). Altertumswissenschaftler der Universität Münster haben bei Ausgrabungen in der Südosttürkei neue Einblicke in die Zeit des Römischen Reiches und der ersten christlichen Einflüsse gewonnen. Am Forschungsstandort der antiken Stadt Doliche wurden eine seltene, dabei gut erhaltene römische Badeanlage sowie Teile einer Basilika aus der Spätantike erschlossen, wie das Hochschul-Exzellenzcluster "Religion und Politik" in Münster mitteilte. Geplant sei am Standort ein Archäologischer Park, um das Grabungsareal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Seit 1997 untersucht die Forschungsstelle "Asia Minor" die antiken Hinterlassenschaften der Stadt Doliche. Dazu zählen die Mithräen, das antike Siedlungsgebiet und das Heiligtum des Iupiter Dolichenus, eine Gottheit, die im alten Rom eine große Bedeutung hatte. Seit 2001 wird vor allem der nahe gelegene Gipfelbereich des Dülük Baba Tepesi erforscht. Vor Ort arbeitet eine internationale Gruppe aus Archäologen, Historikern, Bauforschern sowie Restauratoren, Archäozoologen und Anthropologen zusammen. Seit dem vergangenen Jahr konzentriert sich das Projektteam auf das Stadtgebiet, wie es hieß.

Die Grabungen zeigten eindrucksvoll, wie die einstige nordsyrische Stadt Doliche über Epochen und Religionen hinweg in Blüte stand, erklärte Grabungsleiter Engelbert Winter vom Münsteraner Exzellenzcluster. "Das mit wertvollen Mosaiken ausgelegte Bad entstand im zweiten oder dritten Jahrhundert nach Christus, als es in Syrien, anders als im lateinischen Westen, nur wenige öffentliche Thermen gab." Mit rund 2.000 Quadratmetern sei die Anlage von beachtlicher Größe, erklärte der Forscher. Freigelegt wurden in diesem Jahr den Angaben zufolge unter anderem ein etwa 150 Quadratmeter großer Raum mit Schwimmbecken, Teile des Heizsystems unter dem Fußboden sowie Funde und Mosaike, die die Archäologen auf das zweite und dritte Jahrhundert datieren.

Nach Zeiten von Kriegen und Wirtschaftskrisen habe Ende des vierten Jahrhunderts eine neue Blüte unter christlichen Vorzeichen begonnen, sagte Winter. Der neue Fund der Kirche stelle eine besondere Chance dar, da in dieser für das frühe Christentum hochbedeutenden Region nur sehr wenige innerstädtische Kirchenbauten archäologisch erforscht seien.

Bei den Ausgrabungen kamen demnach vor allem Räume zu Tage, die die Forscher als Nebenräume und Anbauten des Kirchenkomplexes deuten. Damit sei die Kirchenanlage viel weitläufiger als ursprünglich vermutet, sagte Winter. Er erhofft sich, nun weitere Erkenntnisse zum religiösen Leben und der sakralen Architektur im spätantiken Nordsyrien zu gewinnen. Funde aus dem Gebiet ließen drauf schließen, dass das einst dreischiffige Sakralgebäude im siebten Jahrhundert vermutlich durch ein Erdbeben zerstört wurde. Die Stadt selbst wurde schließlich im zwölften Jahrhundert verlassen, wie es hieß.