Soziales
Kita-Studie: Förderung in Milliardenhöhe erforderlich
"Kita-Leiterinnen fühlen sich von Politik alleingelassen"
Düsseldorf (epd). Für Kitas in Deutschland sind laut einer Studie des Deutschen Kitaleitungskongresses jährlich zwischen acht und zehn Milliarden Euro als Dauerfinanzierung erforderlich. Allein für die bis zum Jahr 2025 erforderlichen zusätzlichen 130.000 Fachkräfte in der frühkindlichen Erziehung fielen jährliche Kosten in Höhe von 40.000 bis 50.000 Euro pro Kraft an, sagte der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, bei der Eröffnung des Kongresses in Düsseldorf.

Für die Untersuchung wurden bundesweit rund 3.000 Leiterinnen von Kitas befragt. Sie beklagten laut VBE mehrheitlich, sich von der Politik im Stich gelassen zu fühlen, wenn es um konkrete Verbesserungen der Arbeitssituation und den Umgang mit sozialen Problemen der Familien gehe. Inzwischen seien Kinder und Familien, die von Armut betroffen oder bedroht seien, keine Ausnahme mehr, sondern eher die Regel, lautet eine zentrale Aussage der Studie. Der Kontakt zu den betroffenen Familien gestalte sich häufig schwierig. Und über ein Viertel der Kitaleitungen fühlen sich über Hilfsangebote für arme Familien unzureichend informiert.

Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen berichteten, dass immer mehr Kinder ohne oder nur mit einem ungesunden Frühstück in die Einrichtungen kommen. Für viele Kitas gehörten monatliche Trödelmärkte für Kleidung und Spielzeug sowie Bücherschränke zum Alltag, in denen finanziell bessergestellte Eltern für arme Familien spenden könnten, hieß es.

70 Prozent der Kita-Leitungen sind der Studie zufolge auch unzufrieden mit der Ausbildungssituation an den Erzieherinnenschulen. Positiv sei allerdings, dass mehr als 60 Prozent der Kita-Leitungen zufrieden mit dem Qualifikationsniveau von studierten Kindheitspädagogen seien, erläuterte der VBE. Die Zahl der akademisch qualifizierten Absolventen stagniere aber. Beklagt wurde auch ein nach wie vor oft fehlendes Qualitätsmanagement in den Einrichtungen.

Kinder- und Familienminister Joachim Stamp (FDP) nannte bei der Eröffnung des Kitaleitungskongresses die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung als zentrales Ziel der Landesregierung. Als erster Schritt sei das Gesetz zur Rettung der Trägervielfalt verabschiedet werden. Damit sei eine schnelle und unbürokratische Hilfe in Höhe von einer halben Milliarde Euro geleistet worden, um die unmittelbare finanzielle Not der Kindertageseinrichtungen abzuwenden. Für eine dauerhaft auskömmliche Finanzierung und Qualitätsverbesserung befinde sich die Landesregierung intensiv im Dialog mit allen Beteiligten.

Die Sprecherin für Kinder und Familie der Grünen-Fraktion, Josefine Paul, forderte einen verbindlichen Fachkraft-Kind-Schlüssel, eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen und eine Sockelfinanzierung anstelle der Kindpauschale. Individuelle Förderbedarfe müssten zusätzlich finanziert werden. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien profitierten von einer guten Kita, erklärte sie.