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Iranischer Politologe mit "Freedom of Speech Award" geehrt
Bonn (epd). Der iranische Politologe Sadegh Zibakalam ist mit dem "Freedom of Speech Award" der Deutschen Welle (DW) ausgezeichnet worden. DW-Intendant Peter Limbourg überreichte den undotierten Preis auf dem Global Media Forum in Bonn. In seiner Laudatio sagte der ARD-Nahost-Korrespondent Reinhard Baumgarten, die Preisverleihung könne "all jene stärken und ermutigen, die für Rede- und Meinungsfreiheit im Iran eintreten".

"Professor Zibakalam widerspricht den Scharfmachern seines Landes und legt den Finger in offene Wunden", sagte Baumgarten. Der Politikwissenschaftler spreche über das gigantische Drogenproblem seines Landes, die hohe Scheidungsrate, die Verarmung großer Teile der Bevölkerung, leere Moscheen und steigende Arbeitslosigkeit. Gleichwohl glaube er an die Demokratiefähigkeit seines Landes, betonte Baumgarten. "Er will das herrschende System nicht abschaffen. Er will es reformieren."

Zibakalam ist Politikwissenschaftler an der Universität Teheran und einer der prominentesten politischen Analysten in Iran. Er setzte sich mehrfach mit den Hardlinern im iranischen Regime auseinander. Im April wurde Zibakalam zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er sich in einem Interview mit der Deutschen Welle kritisch zu den jüngsten landesweiten Unruhen geäußert hatte. Der Wissenschaftler legte Revision ein. Derzeit lebt er noch auf freiem Fuß.

Zibakalam widmete in seiner Preisrede die Auszeichnung allen politischen Gefangenen seiner Heimat. Repression treffe im Iran Schriftsteller, Journalisten, Anwälte, Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschafter, Studenten, Künstler, Dissidenten und oppositionelle Politiker. Zugleich betonte er, das Land habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten "kleine, aber spürbare Fortschritte" gemacht. Die Sehnsucht nach demokratischen Werten sei an die junge Generation weitergegeben worden.

Der "Freedom of Speech Award" der Deutschen Welle wird seit 2015 verliehen und soll Menschen oder Initiativen würdigen, die Position für Menschenrechte und Meinungsfreiheit beziehen. Der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi war 2015 der erste Preisträger.