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Herres: Kein Weg zurück für die "Lindenstraße"
München, Köln (epd). Für die "Lindenstraße" führt kein Weg zurück ins Fernsehprogramm. Die Entscheidung gegen die Serie, die inzwischen schon ein "biblisches Alter" erreicht habe, sei vor allem aus inhaltlichen Gründen gefallen, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres in München. Die Gesellschaft habe sich stark verändert, die alten Formate und Erzählformen könnten diesen Wandel nicht in ausreichendem Umfang abbilden.

Relevante gesellschaftliche Themen, die in der "Lindenstraße" eine große Rolle gespielt hätten, bräuchten heute andere Formen der Umsetzung in den Fernsehprogrammen, sagte Herres. Deshalb habe die Serie auch nicht mehr die jungen Zuschauer gewinnen können, sondern Jahr für Jahr Zuschauer verloren. Die Entscheidung gründe deshalb auch auf einer Abwägung zwischen zurückgehender Akzeptanz und den Produktionskosten.

Die vom WDR verantwortete Serie, die seit 1985 immer sonntags im Ersten läuft, wird im März 2020 eingestellt. Bei der Bekanntgabe der Absetzung hatte die ARD vor zwei Wochen insbesondere Sparzwänge als Begründung genannt. Die Produzenten, Hans W. Geißendörfer und seine Tochter Hana, kritisierten den Beschluss und stellten das Argument wirtschaftlicher Zwänge infrage. Brancheninformationen zufolge kostet eine Folge "Lindenstraße" knapp 190.000 Euro, aufs Jahr gerechnet wären dies etwa acht Millionen Euro.

Hans W. Geißendörfer warf der ARD vor, die Serie zu wenig mit Werbung unterstützt zu haben. Seine Tochter Hana erklärte, sie halte eine Fortsetzung der Serie mit neuen Partnern für möglich. "Wir wären bereit, weiterzumachen, mit wem auch immer", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Die Zuschauerzahl der "Lindenstraße" war zuletzt auf etwas mehr als zwei Millionen gesunken. In ihrer Frühzeit hatte die Serie mehr als zehn Millionen Menschen angelockt.