Soziales
Experte fordert bessere Begleitung Sterbender in Altenheimen
Düsseldorf (epd). Der Pflegeexperte der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Rudolf Michel-Fabian, fordert, in der Debatte um Pflegemängel die Begleitung von Sterbenden in Altenheimen nicht aus dem Blick zu verlieren. Neben dem Hauptproblem der knappen Personalausstattung habe sich in den vergangnen Jahrzehnten auch grundlegend die Situation in stationären Pflegeeinrichtungen geändert, sagte Michel-Fabian in Düsseldorf. "Heute gehen die meisten Menschen erst dann in eine stationäre Einrichtung, wenn der Pflegebedarf hoch ist und die Lebenserwartung sehr kurz."

Dies mache erforderlich, dass in Pflegeinrichtungen nicht nur einzelne Spezialisten, sondern alle Pflegekräfte eine Basisqualifizierung in palliativer Praxis benötigten, erklärte Michel-Fabian. Der Anteil von Menschen in Altenheimen, die kurz vor und in der Sterbephase sind, sei drastisch gestiegen und werde weiter steigen. Hinzu komme, dass immer mehr Menschen eine lebenserhaltende Apparatemedizin für sich ablehnten. Sie würden dann dort sterben, wo sie in ihrer letzten Lebensphase wohnten, und eben nicht im Krankenhaus.

Gerade in der aktuellen Debatte, in der die Politik versuche, mit "aktionistischen Verbesserungen" in der Behandlungspflege zu punkten, müsse an die Versorgung Sterbender erinnert werden, sagte Michel-Fabian. Er verwies auf Erfahrungen aus einem diakonischen Modellprojekt in Wuppertal. Demnach wäre für eine gute hospizlich-palliative Versorgung in einem Altenheim mit 80 bis 100 Bewohnern eine zusätzlich Vollzeitkraft nötig für Beratung, Steuerung und Koordination mit anderen Diensten. Bei einer bundesweiten Umsetzung dieses Modells beliefen sich die zusätzlichen Kosten in der stationären Pflege auf über zwei Milliarden Euro.