Ethik
Evangelische Kirche empfiehlt Kostenübernahme für Tests auf Trisomie
Stellungnahme zur Pränataldiagnostik stößt auf Kritik
Berlin, Bonn (epd). Mit einer Stellungnahme zu Gen-Tests bei Schwangeren hat die evangelische Kirche eine Diskussion entfacht. In dem Positionspapier plädiert sie dafür, dass die Krankenkassen die Kosten für die ethisch umstrittenen Bluttests auf Down-Syndrom beim ungeborenen Kind übernehmen sollen. Gleichzeitig fordert sie aber, Schwangeren eine ethische Beratung anzubieten, die dann auch von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden soll.

Man habe gelernt, "dass wir Schwangerschaftskonflikte nur mit dem Willen der Mutter lösen können", sagte der Theologe Reiner Anselm bei der Vorstellung des Papiers der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das unterscheide die EKD von anderen Kirchen. Die Kritik aus der katholischen Kirche kam prompt. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer bescheinigte der Stellungnahme sogar Ratlosigkeit und Naivität.

Das Positionspapier wurde von der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD erarbeitet, der Anselm vorsitzt. Anlass für die Schrift ist die Diskussion um die Gen-Tests an Schwangeren, die über eine Blutuntersuchung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob das ungeborene Kind das Down-Syndrom (Trisomie 21) hat. Anders als Fruchtwasser- und Plazenta-Untersuchung, die mit einem Fehlgeburtrisiko verbunden sind, werden die quasi risikolosen Tests bislang nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt. Zugelassen sind sie. Für die Kosten müssen die Schwangeren selbst aufkommen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen (G-BA) prüft derzeit, ob die Tests Kassenleistung werden sollen. Wenn die nichtinvasive Methode die Möglichkeit bietet, zuverlässige Informationen bei einem niedrigeren Risiko für Schwangere und das Ungeborene zu erhalten, "lassen sich durchaus Argumente dafür benennen, diese Form der Pränataldiagnostik den bisher üblichen invasiven Methoden vorzuziehen und sie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen", heißt es im Positionspapier der EKD. Alles andere wäre dann ethisch nicht zu verantworten, sagte der EKD-Bevollmächtigte in Berlin, Martin Dutzmann.

Er betonte aber auch, Schwerpunkt des 44-seitigen Papiers sei der Aspekt der Beratung. "Nichtinvasive Pränataldiagnostik sollte nur in einem verlässlichen Rahmen psychosozialer und ethischer Beratung angeboten und durchgeführt werden", heißt es im Papier. Dort wird gefordert, eine Beratung außerhalb des ärztlichen Rahmens - beispielsweise durch die etablierten Schwangerenberatungsstellen - auch zur Kassenleistung zu machen.

In der Beratung der Frauen sieht Anselm nach eigenen Worten die einzige Möglichkeit, um eine Verschiebung des gesellschaftlichen Klimas zulasten Behinderter zu verhindern. Kritiker haben die Vermutung, dass die Tests zu einem Anstieg der Abtreibungszahlen führen. Diese Gefahr sieht auch die EKD und hofft, ihr mit der Beratung der Frauen entgegenzuwirken. Blieben die Tests wie jetzt eine privat zu finanzierende Leistung, "gelten Gesetze des Marktes und der Werbung", sagte Anselm. Als Kassenleistung mit Beratung - so die Hoffnung des Papiers - käme es zu einem verantwortlichen Umgang mit den Tests.

Während der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken in den Papier "sehr wertvolle Hinweise" sieht, kam scharfe Kritik von der katholischen Kirche, die in medizinethischen Fragen oft anders urteilt als die evangelische. Man teile die Forderung nach einer Aufnahme der Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen nicht, erklärte der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Ein solcher Schritt begegne "erheblichen ethischen Bedenken mit Blick auf den Schutz des ungeborenen Lebens", sagte er.

Heftige Kritik kam auch von einer der Initiatoren einer Debatte im Bundestag, Corinna Rüffer (Grüne). Mehr als 100 Abgeordnete, die Bedenken gegen die Kostenübernahme haben, hatten vor wenigen Wochen eine Auseinandersetzung damit im Bundestag angekündigt. Rüffer sagte, die EKD-Stellungnahme zeige Ratlosigkeit. Die Vorstellung der EKD, man könne den "behindertenfeindlichen Charakter dieser Tests irgendwie einhegen, wenn man ihn staatlich finanziert" und die Frauen zu einer Beratung schicke, sei naiv, sagte sie. "Von einer Kirche erwarte ich eigentlich klare gesellschaftliche Werte und eine wertschätzende Haltung zu menschlichem Leben in all seinen Ausprägungen", kritisierte sie.