Kirche
EKD-Synode berät über "Glaube junger Menschen" und Digitalisierung
Frankfurt a.M./Bonn (epd). Die Themen "Glaube junger Menschen" und "Kirche im digitalen Wandel" stehen auf der Agenda der diesjährigen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die ab dem 11. November in Würzburg tagt. Unter anderem werden Vorschläge diskutiert, wie die Kirche digitaler werden kann: darunter ein Budget für Investitionen in digitale Projekte, eine neue Abteilung für Digitalisierung im EKD-Kirchenamt in Hannover und mehrere konkrete Ideen für neue digitale Angebote für Gläubige.

"Wir verbessern uns strukturell, um schneller handeln zu können, und wir verbessern uns finanziell, weil wir als evangelische Kirche gemeinschaftlich investieren wollen", sagte der EKD-Digitalexperte Christian Sterzik dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Synode soll unter anderem über einen digitalen Kirchen-Finder abstimmen. Ein Prototyp werde bereits in Würzburg vorgestellt, teilte Sterzik mit.

Die Internetseite "Kirche bei dir" soll die nächstgelegene Kirche anzeigen, die auf die Bedürfnisse des Nutzers abgestimmt ist. Sucht jemand etwa nach einer barrierefreien Kirche oder nach einem Gottesdienst mit Chorgesang, soll diese Anwendung den Nutzer zu der für ihn passenden Kirche in seiner Nähe führen. Eine ähnliche Seite gibt es bereits in England, wo die "Church of England" damit vor einigen Jahren an den Start ging.

Die Synode will sich außerdem mit dem Thema sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen befassen, bei dem bislang vor allem die katholische Kirche im Fokus stand. Die Kirchenkonferenz, der Zusammenschluss aller 20 Landeskirchen, hatte im September die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle sowie die Berufung eines sogenannten Beauftragtenrats beschlossen. Dem gehören fünf Vertreter aus den Leitungen der Landeskirchen an, als Bischöfe Jochen Cornelius-Bundschuh aus Baden und Kirsten Fehrs aus Hamburg.

Fehrs forderte im Gespräch mit dem epd mehr Aufmerksamkeit für das Thema auch innerhalb der evangelischen Kirche. "Wir haben Schuld auf uns geladen", sagte sie. Die EKD hat bei den Landeskirchen eine aktuelle Zahl bekannter Missbrauchsfälle angefragt. Fehrs zufolge sind demnach rund 480 Fälle bekannt. Eine flächendeckende Untersuchung ähnlich einer Erhebung in der katholischen Kirche gab es innerhalb der evangelischen Kirche aber bislang nicht. Die von der katholischen Bischofskonferenz in Bonn beauftragte Studie hatte knapp 3.700 Fälle erfasst.

Die Synode der EKD ist das höchste Gremium der verfassten Kirche. Sie ist eine Art Kirchenparlament und tagt in der Regel einmal im Jahr im November. Vertreter der Landeskirchen, aus Politik und Gesellschaft gehören ihr an. Vor der EKD-Synode tagen auch die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK). In diesem Jahr wählt die VELKD einen neuen Leitenden Bischof. Der bisherige Leitende Bischof Gerhard Ulrich scheidet aus dem Amt, bevor im nächsten Jahr aus Altersgründen auch seine Amtszeit als Nordkirchen-Bischof endet.