Kultur
Archäologen machen Überraschungsfund aus der Jungsteinzeit
Bonn (epd). Rheinische Archäologen sind in Rheinbach überraschend auf eine Rarität aus der Jungsteinzeit gestoßen. Ein im vergangenen Jahr geborgenes 2.500 Jahre altes Skelett sei besser erhalten als alle zuvor im Rheinland gefundenen Knochen aus dieser Epoche, sagte der Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Erich Claßen, anlässlich der Jahrestagung "Archäologie im Rheinland" in Bonn. Die Beigaben aus dem Jungsteinzeit-Grab gehören zu den im vergangenen Jahr geborgenen Funden, die bis zum 18. März in der Sonderschau "Archäologie im Rheinland 2018" im LVR-Landesmuseum in Bonn zu sehen sind.

"Das Grab bietet Möglichkeiten der Untersuchung, die wir bislang noch nicht hatten," sagte Claßen. Derzeit liefen DNA-Untersuchungen, die Aufschluss über das Geschlecht des Verstorbenen, aber auch über seine genetische Herkunft geben sollten. Mit Hilfe einer Isotopenanalyse wollen die Forscher außerdem feststellen, wie sich der Bestattete ernährt hat und ob er sich im Verlauf seines Lebens an unterschiedlichen Orten aufgehalten hat. Die Archäologen gehen aufgrund der Lage im Grab derzeit davon aus, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann handelte. Das seinem Grab beigegebene Gefäß mit einer horizontal umlaufenden Verzierung sowie eine Klinge und ein messerartiger Abschlag aus einem Feuerstein werden derzeit im LVR-Landesmuseum präsentiert.

Ein weiterer Überraschungsfund gelang den Archäologen im vergangenen Jahr mit der Ausgrabung eines Sarkophags aus dem dritten Jahrhundert nach Christus. Er gehörte zum Gräberfeld eines römischen Gutshofes im Nordosten von Zülpich. Die tonnenschwere Steinkiste enthielt das Skelett einer jungen Frau im Alter von 25 bis 30 Jahren. Ihr waren zahlreiche Utensilien zur Schönheitspflege sowie Schmuck beigegeben worden. Die Ausstellung zeigt unter anderem eine Schminkpalette aus Schiefer, einen Handspiegel, eine Halskette mit Anhängern aus Galgat und Perlmutt sowie silberne Fingerringe.

Bei der Untersuchung des Standortes eines weiteren römischen Gutshofes in Kerpen-Manheim kamen die Archäologen möglicherweise einem Verbrechen auf die Spur. In einem früheren Brunnenschacht fanden sie neben Bauschutt sowie Bronze- und Keramikgefäßen die Überreste eines 21 bis 25 Jahre alten Mannes. Die Gefäße sind derzeit in Bonn zu sehen.

Beschäftigt hat die rheinischen Archäologen im vergangenen Jahr außerdem die Sicherung von letzten Funden aus dem Steinkohlebergbau. Ende vergangenen Jahres wurde die letzte Zeche geschlossen. Zu den besonderen Fossilien aus den letzten Bergungen zählen bislang unbekannte 317 bis 305 Millionen Jahre alte Moose sowie Hai-Eier und Skorpione. Insgesamt konnten die Archäologen im vergangenen Jahr mit knapp 600 Maßnahmen erneut einen Grabungs-Rekord aufstellen.