Soziales
Truck'n Roll: Ein Jugendprojekt mit viel Zugkraft
Pfarrer organisiert einen Lastwagen zum Feiern und Beten
Mauer, Meckesheim (epd). "Klar ist die Idee verrückt, vor allem aus der Sicht von Erwachsenen", sagt der evangelische Pfarrer Dirk Ender aus Meckesheim (Rhein-Neckar-Kreis). Schon oft habe er gehört, "Ging's nicht auch eine Nummer kleiner?" Aber nein, das ging nicht. Es sollte ein 40-Tonner angeschafft werden. "Bei Gemeindeveranstaltungen ist es oft schwierig, Menschen zu finden, die Zeit und Lust haben, mitzumachen", erzählt Ender. Aber bei dem Lastwagen, in dem Heranwachsende kostenlos Konzerte, Film- und Spieleabende oder Gottesdienste machen können, sei es genau umgekehrt. "Fast alle Jugendlichen finden unser Jugendtruck Projekt X cool", berichtet der Pfarrer.

Hanna, Jacqueline, Johanna und Paula aus der kirchlichen Jugendgruppe in Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) bestätigen das. Sie sind sich einig, dass der Truck sogar "megacool" ist. Daher haben sie ein Konzert mit dem Lastwagen in ihrem Ort organisiert. Es trägt den Titel "Truck n'Roll". "Als wir im vergangenen Jahr das erste Mal von dem 40-Tonner gehört haben, war sofort klar, dass wir damit was machen wollen", erzählt Sonja Bletsch, Leiterin der Jugendgruppe. Schnell entschieden sich die Jugendlichen dafür, dass es eine große Party werden soll. Sie fragten bei DJs und Bands an, verteilten Plakate sowie Flyer und kümmerten sich um einen Essens- und Getränkestand.

Damit erfüllt das Projekt aus Sicht seines Erfinders Ender voll und ganz seinen Zweck. "Ich möchte jungen Menschen mit dem außergewöhnlichen mobilen Raum Lust machen, sich auszuprobieren", sagt er. Die erste Idee in diese Richtung kam Enders vor rund zehn Jahren, als er einen zu einer Bar umgebauten Lastwagen gesehen hatte. Vergangenes Jahr bekam er vom Kirchenbezirk Neckargemünd-Eberbach finanzielle Unterstützung für das Projekt - und fand sogleich Mitstreiter.

Ein Sinsheimer Unternehmer stellte für anderthalb Jahre einen Brummi zur Verfügung, die Gemeinde Meckesheim einen Stellplatz, ein Mann aus Waibstadt bot seine Fahrdienste an - und es entstand ein heute 15-köpfiges Team zwischen 18 und 55 Jahren, das die Fäden im Hintergrund zieht. In einem ersten Schritt legten sie in ehrenamtlicher Arbeit einen Boden in den Truck, kümmerten sich um Beleuchtung, brachten Vorhänge an und machten sich Gedanken über eine Treppe zur Ladefläche. "Es hat uns wahnsinnig viel Spaß gebracht, uns so zu entfalten", sagt Mark Hoffmann vom Truck-Team. Er schätzt auch besonders den Zusammenhalt in dem Team. "Es ist genau so, wie es in einer christlichen Gemeinde sein sollte", sagt er. Wobei der Truck auch Leute anzöge, die "man sonst bei Kirchenveranstaltungen eher nicht trifft".

Auch nach dem Umbau begleiten die Teammitglieder den Lastwagen abwechselnd zu seinen Einsätzen. In den vergangenen Monaten präsentierten sie den 40-Tonner zum Beispiel bei der Meckesheimer Gewerbeschau. Dafür wurde die Ladefläche in einen "Escape-Room" umgewandelt, das heißt, Besucher mussten darin in einer vorgegebenen Zeit Aufgaben und Rätsel lösen. In der Osternacht schliefen sie zusammen mit Konfirmanden aus Meckesheim und Neckargemünd in dem Laster und seit Ende April gibt es darin Abendmahlsgottesdienste.

Jugendliche können mit dem Laster noch bis mindestens September Abenteuer erleben. Ob der 40-Tonner danach noch zur Verfügung steht, ist derzeit ungewiss. Aber Enders hofft, dass die entstandenen Freundschaften in jedem Fall auch darüber hinaus bestehen bleiben. (1511/18.06.2018)

epd lbw leo as

Von Leonie Mielke (epd)