Kirche
Kirchenparlament beklagt "Barbarei" gegen Flüchtlinge
Württembergische Sommersynode in Ulm zu Ende gegangen
Ulm (epd). Mit einer Aktuellen Stunde zur Flüchtlingspolitik ist die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Ulm zu Ende gegangen. Die 98 Mitglieder des Kirchenparlaments hatten sich drei Tage lang unter anderem mit Finanz- und Leitungsfragen befasst. Die Synode der 2,1 Millionen württembergische Protestanten wandte sich gegen eine flüchtlingsfeindliche Stimmung in Europa und sprach sich für einen weiteren Schutz von Asylsuchenden sowie mehr Engagement im Kampf gegen Fluchtursachen aus.

Der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, erinnerte an den biblischen Auftrag, hilfsbedürftigen Menschen zur Seite zu stehen. Sollten tatsächlich "Ankerzentren" eingerichtet werden, werde man als Kirche die Flüchtlinge auch dort besuchen. Um in Europa eine bessere Politik für Asylsuchende zu ermöglichen, sollte die Landeskirche ihre ökumenischen Kontakte nutzen, empfahl Kaufmann.

Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl kritisierte scharf, dass Hilfsorganisationen inzwischen von AfD-Politikern angezeigt würden. Es sei der "Start in die Barbarei", Menschen einfach im Meer ertrinken zu lassen, sagte Gohl. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass der westliche Lebensstil zu den Fluchtursachen beitrage.

Bis 2022 rechnet die württembergische evangelische Landeskirche mit weitgehend stabilen Einnahmen. Der landeskirchliche Finanzdezernent, Oberkirchenrat Martin Kastrup, sagte, diese Prognose gelte derzeit trotz eines unsicheren politisch-wirtschaftlichen Umfelds. Ursache für die Stabilität sei, dass laut einer Erhebung des Wirtschaftswissenschaftlers Bernd Raffelhüschen keiner Kirche in Deutschland so viele Wohlhabende die Treue hielten wie der württembergischen Landeskirche. In Württemberg kämen 78 Prozent der eingenommenen Kirchensteuer von 17 Prozent der Kirchenmitglieder.

Die Landeskirche geht laut Kastrup von Kirchensteuereinnahmen für 2018 und 2019 von je 770 Millionen Euro aus. Danach sei damit zu rechnen, dass die Kirchensteuer auf 740 Millionen Euro absinke aufgrund einer Konjunkturabkühlung. Die könne jedoch - Kastrup nannte unter anderem den Zollkonflikt mit den USA - auch schon früher eintreten.

Im Jahr 2015 hatte die Landeskirche einen fünfjährigen Aktionsplan "Inklusion leben" aufgelegt. Zur Halbzeit sagte Diakoniechef Kaufmann, Inklusion umfasse nicht nur barrierefreie Zugänge zu Gebäuden. Sie brauche eine veränderte Haltung gegenüber Menschen, mit denen es zuvor oft wenig Berührungspunkte gegeben habe.

Die Landeskirche hatte für den Aktionsplan 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. Inzwischen seien 1,2 Millionen Euro ausgeschüttet für 93 Projekte. Davon seien 60 Kleinprojekte, die bis zu 2.000 Euro erhielten, elf erhielten bis zu 20.000 Euro und 22 bis zu 60.000 Euro. Noch seien 15 Anträge in Bearbeitung. Sie alle zu erfüllen, übersteige die Fondsmittel, sagte Oberkirchenrat Kaufmann. Bei den Projekten gehe es um Menschen mit Behinderung ebenso wie um Flüchtlinge, ältere und kranke Menschen, Familien, Einsame und Arbeitslose. (1491/07.07.2018)

epd lbw moc