Soziales
Eine junge Frau, die auf einem Bioland-Hofgut ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leistet, fuettert die Kuehe im Stall.
© epd-bild / Norbert Neetz
Diakonie wundert sich über Pflichtjahr-Diskussion
Stuttgart (epd). Die aktuelle Diskussion über die Einführung eines allgemeinen Pflichtjahrs für junge Menschen stößt beim Diakonischen Werk Württemberg auf Unverständnis. "Wer alle verpflichtet, wird sich am Ende vor allem um die kümmern müssen, die nicht zu einem Dienst motiviert sind", schreibt Vorstandsmitglied Eva-Maria Armbruster in einer Mitteilung. Soziale Einrichtungen, zumal in der Pflege, hätten dazu nicht die Zeit.

Positiv sieht Armbruster die Idee, das Soziale noch mehr Menschen zugänglich zu machen, etwa durch soziales Lernen in Schule, Ausbildung und Hochschule sowie in Freiwilligendiensten. Attraktiver würde der Freiwilligendienst durch Bürokratieabbau, die Befreiung von den Rundfunkgebühren sowie freie Fahrt in Bus und Bahn für alle Freiwilligendienstleistenden.

Die Diakonie warnt zudem vor den Kosten eines Pflichtjahrs. Schon die Verwaltung der jährlich 50.000 Bundesfreiwilligendienstleistenden verschlinge pro Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag. Zusätzlicher Kostenfaktor bei Bundeswehr und Zivildienst: Musterung, Dienstantritt, Verweigerung, Umgang mit "Drückebergern", Ausnahmeregelungen, Maßregelungen oder Disziplinarverfahren. Armbruster weist weiter darauf hin, dass ein Pflichtjahr für alle eine Grundgesetzänderung voraussetze, da so ein Jahr international als Zwangsarbeit gewertet würde. Es entspräche weder der Menschenrechtskonvention noch europäischem Recht. (1735/06.08.2018)

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