Kirche
"Wo Kloster drauf steht, muss auch Kloster drin sein"
Zur 750-Jahr-Feier entsteht in Neuzelle ein neuer Mönchskonvent
Neuzelle (epd). Große Gemälde an Wänden, Decke und Säulen, vergoldete Holzschnitzereien, Marmorimitat und zahllose Statuen im Kirchenschiff: Das 1268 von Markgraf Heinrich dem Erlauchten von Meißen gegründete und später umgestaltete Kloster Neuzelle gilt als Barockwunder Brandenburgs. In diesem Jahr wird das 750. Jubiläum der Klostergründung gefeiert. Am Wallfahrtssonntag des katholischen Bistums Görlitz soll dann am 2. September nach 200 Jahren ohne Mönche auch ein neuer Zisterzienserkonvent in Neuzelle gegründet werden.

Die ersten Mönche, die die Gründung vorbereiten, sind im vergangenen August aus dem österreichischen Zisterzienserstift Heiligenkreuz nach Brandenburg gekommen und leben nun auf dem Gelände der Klosteranlage, die 1817 säkularisiert wurde und heute dem Land Brandenburg gehört. Der Abt habe ihm und drei weiteren Mönchen die Aufgabe der Neugründung des Tochterklosters übertragen, erzählt Pater Kilian Müller, einer der neuen Mönche von Neuzelle: "Es wird aber niemand zum Gehorsam gezwungen, man muss auch selber wollen."

Einer von ihnen ist auf eigenen Wunsch im Januar wieder nach Österreich zurückgekehrt. Stattdessen hätten sie nun einen Klosterkater, erzählt der 41-jährige Geistliche, der seit zwölf Jahren als Zisterzienser lebt: "Der ersetzt keinen Mönch, aber irgendwie gehört er trotzdem dazu und sorgt immer wieder für Stimmung." Nach Ostern will dann ein anderer Mönch aus Österreich nach Neuzelle ziehen, dann sind sie wieder zu viert.

Zur Heiligen Messe mit den Mönchen ist an diesem Wochentag nur eine einzelne ältere Dame in die Klosterkirche gekommen, ihren Rollator hat sie neben Barockfiguren abgestellt. Danach bleibt sie noch zum Vesper-Gebet: Neben historischen Kulissenteilen des um 1750 geschaffenen und heute europaweit einmaligen Neuzeller Passionstheaters stimmen in einem Nebenraum der Kirche die Mönche im weißen Gewand und der Pfarrer der katholischen Gemeinde einstimmige lateinische Gesänge an.

Die Vesper ist das vorletzte der täglichen Gebete der Mönche, die um fünf Uhr morgens mit den rund 40 Minuten dauernden sogenannten Vigilien beginnen und um halb acht Uhr abends mit dem 20-minütigen Komplet enden. Zwischen Komplet und Vigilien schweigen die Mönche.

"Für viele war das sehr befremdlich", erzählt Barbara Kruschwitz über die Ankunft der neuen Zisterzienser: "Die Mönche wurden auf der Straße angesprochen und gefragt, ob sie echt sind, als sie das erste Mal hier waren." Für die Neuzeller sei das eine Umstellung, aber auch für die Mönche, die nun in einer religionsfernen und auch kirchenkritischen Umgebung leben, betont die 59-jährige Agraringenieurin, die nach dem Ende der DDR arbeitslos wurde und seit 1993 als Kirchenführerin arbeitet. Doch für sie als Katholikin steht fest: "Wo Kloster drauf steht, muss auch Kloster drin sein."

Auf dem Hof der Klosterbrauerei vor dem Eingang zum Stiftsgelände stapeln sich Bierkisten und Fässer. Im Laden der Brauerei steht eine Frau mit kurzen Haaren an der Kasse. Allerhand Biersorten werden dort angeboten, vom "Kyritzer Mord und Totschlag" bis hin zum "Badebier" und zur Sonderedition "Schwarzer Abt", die zur Wiederkehr der Zisterzienser aufgelegt wurde. "20 Cent pro Flasche gehen an die Mönche", betont die Verkäuferin. Die seien alle nett und auch schon mit Besuch bei ihr im Geschäft gewesen. Dass das Kloster Neuzelle nun wiederbelebt wird, gefällt ihr. "Das ist doch viel interessanter", sagt sie. Und die Brauerei werde dann wieder zu einer richtigen Klosterbrauerei.

Draußen läuft eine junge Frau am Klosterteich entlang. Nicht alle im Ort seien den Mönchen und dem neuen Klosterleben gegenüber aufgeschlossen, erzählt sie: "Manche verbinden das mit Geldausgeben", sagt die junge Frau, die selbst aus dem Ort stammt. Dabei sei es gar nicht möglich, das Kloster zu erhalten, ohne Geld auszugeben. Und viele hätten dadurch auch Arbeit. "Manche Neuzeller sind komisch", sagt sie noch: "Da fehlt der Gemeinschaftssinn."

Pater Kilian sieht das alles entspannt. "Wir wurden insgesamt sehr freundlich, interessiert und herzlich aufgenommen", sagt er: "Sicherlich gibt es auch bei manchen eine gewisse Zurückhaltung, aber das ist ja weder verwunderlich noch ist es für uns ein Problem." Weil sie Aufgaben der Pfarrseelsorge übernommen haben, bezahlt das Bistum Görlitz ihren Lebensunterhalt, ein persönliches Einkommen haben sie nicht. Die Beziehungen zur evangelischen Kirche seien sehr gut, betont Pater Kilian: "Das ist eine tiefe Verbundenheit und echte Brüderlichkeit im Gebet."

Barbara Kruschwitz hofft darauf, dass sich durch die Zisterzienser das religiöse Leben im Ort weiter belebt, und darauf, dass der Konvent wächst. Und sie setzt darauf, dass sich Neuzelle an die Mönche gewöhnen wird. "Wenn man nach Italien oder Österreich fährt, gehören Mönche im Habit schließlich auch dazu", sagt sie und schließt nach dem Ende der Besichtigungszeit die Kirche ab.

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Von Yvonne Jennerjahn (epd)