Ethik
Weiter Streit um geplantes Islam-Institut
Berlin (epd). Der Beirat des geplanten Instituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität sorgt weiter für Streit. Laut einem Zeitungsbericht hat der Akademische Senat (AS) der Hochschule am Dienstagabend der Instituts-Gründung zugestimmt. Große Vorbehalte gegen die Besetzung des Institut-Beirates mit ausschließlich konservativen Islamverbänden kamen jedoch aus der Studentenschaft, die komplett dagegen stimmte, berichtet der "Tagesspiegel" (Mittwoch).

Die Entscheidung im Akademischen Senat fiel dem Bericht zufolge mit elf Ja- sowie fünf Nein-Stimmen aus. Drei Mitglieder enthielten sich. Das Kuratorium werde sich am 29. Juni mit der Gründung beschäftigen.

Die Studentenschaft wirft den drei Verbänden Zentralrat der Muslime, Islamische Föderation und Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands vor, extrem problematische Auffassungen zu vertreten, wie etwa die Ablehnung von Homosexuellen. Diese Bedenken seien von der Universitätsleitung einfach nicht gehört worden, hieß es. Wie auch die Berliner CDU fordern die Studierenden, den Beirat um liberal-islamische Verbänden zu erweitern.

Vonseiten der Uni-Leitung hieß es dagegen, man könne sich den Islam nicht so zurechtschneiden, wie man wolle. Dies sei ein Dilemma, aus dem man momentan nicht herauskomme. Schon zuvor hatte die Universität wiederholt darauf verwiesen, dass ein Instituts-Beirat wegen der "Wirkmächtigkeit" in die muslimische Community nur mit mitgliederstarken Islam-Verbänden sinnvoll ist. Die liberalen Verbände gelten dagegen als mitgliederschwach.

Unterdessen forderte der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne), die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) aus dem Beirat auszuschließen. Als Gründe nannte Beck im "Tagesspiegel", der Verband habe sich im Vorfeld der israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstration mit Verweis auf die Autonomie seiner Mitgliedsgemeinden geweigert, dazu aufzurufen, nicht an der Demonstration in Berlin teilzunehmen. Auch wollte sich laut Beck die IGS nicht ausdrücklich von der Demonstration distanzieren.

Das künftige Islam-Institut soll vom Wintersemester 2019/20 an muslimische Religionslehrer und Imame ausbilden. Dem Beirat, der sich auch mit der Berufung von Professoren befasst, sollen neben drei Vertretern der Verbände auch zwei unabhängige Experten angehören, die von Universität und Verbänden einvernehmlich bestimmt werden. Beschlüsse sind nur mit einer Zweidrittel-Mehrheit möglich. Ursprünglich wollten die Verbände eine Sperrminorität und stärkeren Einfluss auf die theologische Ausrichtung des künftigen Instituts haben. Zunächst war ein Beirat mit fünf Verbandsvertretern und vier Wissenschaftlern geplant. Der türkische Religionsverband Ditib und der Verband der Islamischen Kulturzentren lehnten eine Beteiligung ab.

epd ost mg bue