Umwelt
Umweltschützer: Elbausbau bedroht Gartenreich Dessau-Wörlitz
Dessau-Roßlau (epd). Umweltschützer sehen in einem Ausbau der Elbe als Wasserstraße eine Bedrohung für das Gartenreich Dessau-Wörlitz. Das zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Gartenreich sei extrem von Niedrigwasser betroffen, sagte Iris Brunar vom Elbeprojekt des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) am Freitag in Dessau-Roßlau. Die Situation verschärfe sich durch die Erosion der Sohle, die Eintiefung der Elbe. Der Fluss fresse sich auch aufgrund der künstlichen Einengung für die Güterschifffahrt immer tiefer in sein Bett und entziehe den Auen im Biosphärenreservat Mittelelbe und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich noch mehr Wasser. Der Grundwasserspiegel sinkt. Hier müsse jetzt gegengesteuert werden, so Brunar.

Dieses Jahr entwickele sich zum fünften Niedrigwasserjahr in Folge, hieß es. Die Güterschifffahrt auf der Elbe sei seit Monaten eingeschränkt oder ganz eingestellt. In den Auen und Parklandschaften entlang der Elbe fehle das notwendige Wasser. Sie sind teilweise schon braun. Das Bund-Elbeprojekt will am Montag bei einer Bootstour auf der Elbe über die Problematik mit Vertretern aus Politik, Kirche und Gartenreich diskutieren. Dabei geht es um die Frage, ob die Elbe weiter vertieft werden soll, um eine ganzjährige befahrbare Wasserstraße zu schaffen, oder ob zu Gunsten der Flusslandschaft umgesteuert werden muss. Neben dem anhaltischen Kirchenpräsidenten Joachim Liebig werden unter anderen auch die Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Brigitte Mang, die sachsen-anhaltische Grünen-Landeschefin Britta-Heide Garben sowie Vertreter vom Umweltbundesamt im Boot erwartet.

Kirchenpräsident Joachim Liebig betonte: "Ein Kernanliegen der Kirchen in der Diskussion um die Zukunft der Elbe war immer die Vermittlung zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen." Das 2017 beschlossene Elbe-Gesamtkonzept sei ein wichtiger Schritt hin zu einem Kompromiss gewesen, so Liebig. Doch die darin angenommenen Wasserstände würden inzwischen nicht mehr erreicht. "Die in den vergangenen Jahren zunehmend trockenen Sommer stellen die wirtschaftliche Nutzung der Elbe grundsätzlich in Frage. Daran würden auch kurzfristige technische Maßnahmen nichts ändern." Besonderen Handlungsbedarf sieht Liebig auch bei der Sohlerosion.

epd ost ror mg