Umwelt
Umweltschützer: Austrocknung der Elblandschaft muss gestoppt werden
Wassermangel bedroht Gartenreich Dessau-Wörlitz
Dessau-Roßlau (epd). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor der Austrocknung der Auen und des Gartenreichs Dessau-Wörlitz an der Elbe. Die Region sei staubtrocken, die Wiesen zunehmend braun und im Wörlitzer Landschaftspark kämen die Gondeln nicht mehr in die Kanäle, weil das Wasser fehle, sagte Iris Brunar vom BUND-Elbeprojekt am Montag anlässlich einer BUND-Tour "Dialog im Boot". Derzeit führe die Elbe mit einer Fahrrinnentiefe von weniger als 70 Zentimetern extremes Niedrigwasser. Die Schlauchboot-Tour mit Vertretern aus Verwaltung, Wissenschaft und Kirche führte auf dem Fluss von Coswig nach Roßlau.

Durch die unnatürliche Einengung der Elbe, um eine ganzjährig befahrbare Wasserstraße herzustellen, werde der Wassermangel noch verstärkt, so Brunar. Die Folge sei eine Tiefenerosion und eine Entkopplung von Fluss und Aue. Die Elbe erreiche sogar bei höheren Wasserständen die Aue nur noch selten, die Wasservorräte würden nicht mehr aufgefüllt. Dies gefährde das zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Gartenreich und das Biosphärenreservat Mittelelbe. Ziel müsse es sein, das Wasser in der Landschaft zu halten statt es rasch abzuleiten. Brunar sagte: "Die Sohlerosion muss gestoppt und umgekehrt werden, damit wieder mehr Wasser die Landschaft erreicht."

An der Existenz von Gartenreich und Biosphärenreservat hängt unter anderem der Rad- und Kulturtourismus, was wiederum für die wirtschaftliche Entwicklung der Region wichtig ist. Alexandra Dehnhardt vom Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der TU Berlin verwies auf die hohe Wertschätzung, die naturnahe Flusslandschaften in der Bevölkerung genießen würden. Zudem regulierten sie den Wasserhaushalt. Dehnhardt sagte: "Diese Aufgabe wird im Zuge der Klimakrise erheblich an Bedeutung zunehmen. Die aktuelle Trockenheit ist ein Vorbote des Wandels."

Mit dem "Sohlstabilisierungskonzept" der zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung werde die Eintiefung nur verlangsamt, der Zustand verschlechtere sich immer noch weiter, kritisierte der BUND. Die Umweltschützer fordern daher den Stopp der Tiefenerosion und die Anhebung der Flusssohle, um der Austrocknung der Auen und des Gartenreichs entgegenzuwirken.

Auch der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, sieht bei der Sohlerosion besonderen Handlungsbedarf. Liebig betonte: "Ein Kernanliegen der Kirchen in der Diskussion um die Zukunft der Elbe war immer die Vermittlung zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen." Das 2017 beschlossene Elbe-Gesamtkonzept sei ein wichtiger Schritt hin zu einem Kompromiss gewesen, so Liebig. Doch die darin angenommenen Wasserstände würden inzwischen nicht mehr erreicht. "Die in den vergangenen Jahren zunehmend trockenen Sommer stellen die wirtschaftliche Nutzung der Elbe grundsätzlich in Frage. Daran würden auch kurzfristige technische Maßnahmen nichts ändern."

Seit Anfang der 1990er Jahre soll die Elbe zu einer ganzjährig befahrbaren Wasserstraße hergerichtet werden. Auch im Coswiger und Dessauer Raum wurde intensiv gebaut, doch trotz aller Bemühungen sind die Transporte nach BUND-Angaben eingebrochen. Langanhaltende Niedrigwasserzeiten würden den Gütertransport auf dem Fluss jedes Jahr über viele Monate vollständig zum Erliegen bringen, so der Umweltverband.

epd ost ror mg