Ethik
Stiftung: Menschliche Überreste sollen in Herkunftsländer zurück
Berlin (epd). Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will menschliche Gebeine aus der Kolonialzeit zurückgeben, sobald deren Herkunft eindeutig geklärt ist. "Die menschlichen Gebeine, die Ende des 19. Jahrhunderts ohne Rücksicht gesammelt wurden, einzig mit dem Ziel, einen möglichst großen Bestand an 'erforschbarem Material' in Berlin aufzubauen, dürfen nicht weiter als anonyme Masse in unserem Depot liegen", sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger am Dienstag in der Bundeshauptstadt. Er betonte weiter: "Wenn Schädel klar zuordenbar sind, werden wir alles daran setzen, diese zurückzugeben. Und zwar zeitnah."

Seit Herbst 2017 untersucht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in einem Forschungsprojekt rund 1.100 menschliche Schädel und andere menschliche Gebeine, die bis 2011 in der medizinhistorischen Sammlung der Berliner Charité gelagert waren. An dem Projekt beteiligen sich auch Wissenschaftler aus Ruanda, Tansania und Burundi. Die Schädel waren den Angaben zufolge Ende des 19. Jahrhunderts vom Mediziner und Anthropologen Felix von Luschan (1854-1924) am Berliner Museum für Völkerkunde zusammengetragen worden.

Ursprünglich bestand die Sammlung aus 6.000 Schädeln aus aller Welt, von denen heute noch rund 5.000 vorhanden sind. Davon konnten den Angaben zufolge 1.100 der Region der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Ruanda, Tansania, Burundi und ein kleiner Teil von Mosambik) zugeordnet werden. In den vergangenen Jahren waren die Schädel von der Stiftung zunächst aufwendig gereinigt und konservatorisch gesichert worden.

Parzinger betonte am Dienstag, dass die Provenienzforschung der Stiftung darauf angelegt sei, unrechtmäßigen Erwerb zu erkennen und gegebenenfalls menschliche Gebeine und Objekte zurückzugeben. Es gehe darum, vergangenes Unrecht wieder gutzumachen. Ein würdevoller Umgang mit den rund 1.000 menschlichen Schädeln sei unabdingbar, betonte der Stiftungspräsident weiter.

Gleichzeitig verwies Parzinger darauf, dass ein verantwortungsvoller Dialog mit den Herkunftsgesellschaften keine Phrase sei. "Wir sind uns mit dem Botschafter Ruandas einig, dass wir erst dann zurückgeben können, wenn wir ganz genau wissen, woher die Schädel stammen." Gemeinsam mit Wissenschaftlern in den betroffenen Ländern werde die Herkunft nun aufgearbeitet. "Es zeigt sich auch an diesem Beispiel wieder, dass Provenienzforschung zu Beständen aus kolonialem Kontext nicht nur am grünen deutschen Tisch geleistet werden kann, sondern dass wir auf unsere Partner vor Ort angewiesen sind." Deshalb müsse der deutschen Debatte ein neues Verständnis von kultureller und wissenschaftlicher Kooperation folgen, betonte der Stiftungspräsident.
epd ost cxm mg