Soziales
Stadtmissionsdirektor: Das Konfliktpotenzial unter Bedürftigen steigt
Berlin (epd). Der Direktor der Berliner Stadtmission, Joachim Lenz, sieht eine zunehmende Konkurrenz unter den Obdachlosen und Bedürftigen in der Hauptstadt. "Wir beobachten, dass das Konfliktpotenzial insgesamt steigt", sagte Lenz der "tageszeitung" (Dienstag). So habe es vor einigen Monaten in der Bahnhofsmission am Zoo viele Prügeleien mit bis zu 20 Polizeieinsätzen in einer Woche gegeben. "Da haben wir den Laden für mehrere Tage geschlossen. Das Essen wurde nur noch durch das Fenster ausgeteilt. Ähnliches hören wir auch von anderen Betreibern", sagte der evangelische Theologe.

Immer mal wieder gebe es auch Streitigkeiten zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten, "Rumänen gegen Polen, Deutsche gegen Russen, so etwas. Für uns als Betreiber ist völlig klar, dass wir sofort deeskalieren. Für uns haben alle die gleichen Ansprüche", sagte der Stadtmissionsdirektor.

Wenn die Zahl der Bedürftigen steige, dann geschehe das, was auch von der Essener Tafel berichtet werde. "Es kommt zu Drängeleien in der Schlange. Wenn sich Leute, denen es eh schlechtgeht, noch mal zurückgesetzt fühlen, kocht die Wut richtig hoch. Wir haben eine Sicherheitskraft mehr eingestellt, die sofort eingreift. Außerdem versuchen wir, Angebote räumlich zu entzerren, damit sich große Menschenmengen gar nicht erst bilden", so Lenz.

Dabei habe er schon den Eindruck, dass die Osteuropäer in diesem Winter noch mal mehr geworden seien. "Drei Viertel unserer Gäste sprechen nicht oder nicht gut Deutsch. Die meisten kommen aus Polen, viele auch aus Rumänien oder Bulgarien."

Der Stadtmissionsdirektor glaubt zudem, dass die Hilfsangebote in Berlin weitere Bedürftige anlocken. "Wir haben Obdachlose in unseren Einrichtungen aus Polen und Lettland, die sagen: Wir wollen nicht dorthin zurück, da hilft uns ja niemand, hier aber schon." Deshalb "müssen das als europäisches Problem begreifen", so Lenz. Die Stadtmission mache wie die anderen Betreiber aber keinen Unterschied zwischen den Menschen: "Uns ist es gleich, welche Nationalität jemand hat."

epd ost mg bue