Soziales
Polen will Sozialarbeiter für Obdachlose nach Berlin schicken
Senatsverwaltung erwartet Zusammenarbeit - Einzelheiten noch unklar
Berlin (epd). Die zahlreichen polnischen Obdachlosen in der deutschen Hauptstadt können offenbar bald auf Sozialarbeiter aus ihrem Heimatland hoffen. Die polnische Botschaft in Berlin kündigte am Mittwoch an, dass voraussichtlich ab Juli Sozialarbeiter der polnischen Stiftung "Barka" sich um die Hilfsbedürftigen auf der Straße kümmern werden. Ziel sei es, die Leute von der Straße zu holen und nach Hause zu ihren Familien oder Verwandten zu bringen, sagte Botschaftssprecher Dariusz Pawlos dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Berlin leben nach Schätzungen der polnischen Botschaft etwa 2.000 Polen ohne festen Wohnsitz. Der RBB hatte zuerst von der polnischen Initiative berichtet, die auf Botschafter Andrzej Przylebski zurückgehen soll.

Berlins Sozialstaatssekretär Alexander Fischer (Linke) erklärte auf epd-Anfrage, "wir begrüßen es außerordentlich, wenn die polnische Regierung hier soziale Angebote für polnische Obdachlose finanziert". Er erwarte nun von der polnischen Seite, "die Angebote mit unserer Senatsverwaltung, den Bezirken und dem Berliner Hilfesystem abzustimmen", so Fischer.

Laut Botschaftssprecher Pawlos ist bislang unklar, wie viele und wo die Sozialarbeiter zum Einsatz kommen. Dazu soll es unter anderem Gespräche mit den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte geben, wo besonders viele polnische Obdachlose in der Vergangenheit auf der Straße und in Parks lebten. Einzelheiten sollen am 28. Juni bekanntgegeben werden, wenn sich die Arbeitsgruppe EU-Bürger im Rahmen der im Januar erstmals zusammengetretenen Strategiekonferenz Wohnungslosigkeit trifft. Sie besteht aus Vertretern von Bezirken, Senatsverwaltungen, Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen. Auch die polnische Botschaft war im Januar vertreten.

Pawlos betonte, die polnischen Sozialarbeiter würden auf die Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen angewiesen sein. Denn es sei davon auszugehen, dass sich nicht nur polnische Hilfsbedürftige an die professionellen Helfer aus Polen wenden werden. So sollen die polnischen Sozialarbeiter von "Barka" in Berlin mit Vereinen wie "Gangway" oder "Klik" kooperieren, die sich bereits um Obdachlose kümmern.

Über die Höhe der finanziellen Mittel, die der polnische Senat als zweite Kammer des Parlaments zur Verfügung stellen will, machte Pawlos keine genauen Angaben. Der Senat ist traditionellerweise auch für Belange der Auslandspolen zuständig. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen leben in Berlin bis zu 8.000 Obdachlose. Etwa 60 Prozent seien Osteuropäer etwa aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder Russland, heißt es.

In den vergangenen Monaten war es in Berlin wiederholt zu Räumungen von Obdachlosencamps gekommen. Hilfseinrichtungen wie die Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo beobachten schon seit Jahren einen Anstieg osteuropäischer Obdachloser. Oftmals handelt es sich um Menschen, die auf der Suche nach Arbeit nach Berlin gekommen sind.

Berlin diskutiert seit Monaten neue Maßnahmen gegen die wachsende Wohnungs- und Obdachlosigkeit in der Stadt. Dazu gehörte auch die erste gesamtstädtische Strategiekonferenz zum Thema Wohnungslosigkeit im Januar. An der Konferenz beteiligten sich rund 200 Akteure aus Politik, Bezirken, Wohnungslosenhilfe, von Wohlfahrtsverbänden und aus der Wissenschaft sowie ein Vertreter der polnischen Botschaft. Seit dem arbeiten neun Facharbeitsgruppen zu einzelnen Themenbereichen, die sich regelmäßig treffen. Die nächste Gesamtkonferenz ist für den 10. Oktober angesetzt.

epd ost phi cxm