Umwelt
Nabu fordert flächendeckend Biotonnen
Brandenburg in Studie bundesweit auf letztem Platz
Berlin (epd). Schlusslicht Brandenburg, Spitzenwerte für Hessen und Schleswig-Holstein: Die gesetzliche Pflicht zur getrennten Sammlung von Biomüll wird in den Bundesländern laut einer Studie des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ganz unterschiedlich umgesetzt. Von bundesweit 402 Landkreisen und kreisfreien Städten hätten 73 die bereits seit Anfang 2015 bestehende Verpflichtung bislang gar nicht oder nur unzureichend erfüllt, hieß es bei der Vorstellung der Studie am Freitag in Berlin. Fünf der bundesweit 24 Kommunen, die gar keine Biotonnen anbieten und dies auch nicht planen, liegen in Brandenburg.

Biomüll sei ein wertvoller Rohstoff, der zur Energiegewinnung eingesetzt werden könne. Auch diene er als Ersatz für Mineraldünger und die Nutzung von Torf in Komposterden, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Die Verwendung von Bioabfällen leiste so auch einen wichtigen Beitrag zum globalen Klimaschutz, zum Schutz der Moore und zur Schonung von Rohstoffressourcen. Zusätzliche Belastungen entstünden dadurch nicht; anders etwa als durch den Maisanbau für Biogasanlagen und durch Windkraftanlagen in der Landschaft.

Pro Jahr würden derzeit in Deutschland knapp fünf Millionen Tonnen Bioabfall gesammelt, betonte Tschimpke: "Da ist noch erhebliches Potenzial." Während in Brandenburg der Studie zufolge jährlich pro Einwohner insgesamt nur rund sieben Kilogramm Biomüll in Biotonnen gesammelt werden, sind es in Hessen und Schleswig-Holstein rund 90 Kilogramm. Berlin steht mit rund 20 Kilogramm an der vorletzten Stelle. Im Mittelfeld liegen Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, das Saarland, Bayern und Baden-Württemberg.

Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes festgelegte Verpflichtung zur getrennten Sammlung von Biomüll müsse von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern der Kommunen umgesetzt werden, sagte Benjamin Bongardt, Nabu-Experte für Ressourcenpolitik. Dies müssten die Bundesländer dann kontrollieren. Eine getrennte Müllsammlung sei trotz des höheren Aufwandes auch in ländlichen Regionen und Flächenländern sinnvoll, weil so die Entsorgung anderer Müllarten verringert werden und die ohnehin anfallenden Abfälle als Ressourcen genutzt werden könnten, betonte der Experte: "Getrenntsammlung lohnt sich."

Um den Biomüll auch wirklich gut verwerten zu können, sei zugleich mehr Aufklärung nötig, sagte Bongardt. Oft seien die Abfälle mit Glas und Plastik verunreinigt und dann "nichts wert". Vorbildlich sei bei dieser Frage eine Informationskampagne der Stadt Münster für ihre Bürger, die mit Slogans wie "Jetzt schick in Schale - mein Biomüll" für mehr Problembewusstsein wirbt.

Freiwillige Biotonnen und Bringsysteme mit wenigen Sammelstellen seien nicht sinnvoll, weil dadurch zu wenig Biomüll eingesammelt werde, hieß es weiter. In einigen Regionen müssten sich die Kommunen zudem bemühen, aus Verträgen mit Müllverbrennungsanlagen auszusteigen, die sie zur Lieferung großer Müllmengen verpflichten. Wenn dort Biotonnen eingeführt werden, verringere dies die Restmüllmenge für die Verbrennung und belaste die Kommunen deshalb derzeit zum Teil mit hohen Vertragsstrafen. Betroffen sei vor allem das Ruhrgebiet.

Besonders vorbildlich seien die Landkreise Südwestpfalz und Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz sowie der Hohenlohekreis in Baden-Württemberg, die ihre Sammelmenge mit Einführung der Biotonne von null auf 87 bis 94 Kilogramm pro Einwohner und Jahr gesteigert hätten. Als Negativbeispiele werden die Stadt Duisburg mit nur einem Kilogramm gesammeltem Biomüll pro Einwohner und der sächsische Landkreis Zwickau mit sechs Kilogramm genannt. Beide Kommunen bieten demnach freiwillige Biotonnen an.

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