Soziales
Muslime helfen bei Berliner Notfallseelsorge mit
Bundesweit einmalige Kooperation nun offiziell gestartet
Berlin (epd). Die Berliner Notfallseelsorge arbeitet jetzt offiziell mit muslimischen Helfern zusammen. Der Kooperationsvertrag dazu wurde am Donnerstag in der Bundeshauptstadt unterzeichnet. Bei der bundesweit bislang einzigartigen Kooperation arbeiten alle Partner "inklusiv, also auf Augenhöhe" zusammen, wie der evangelische Landespfarrer für Notfallseelsorge, Justus Münster, betonte. Bei einem Einsatz spiele es keine Rolle, ob oder welchen religiösen Hintergrund ein Helfer habe. Wichtig sei, in einem Notfall für betroffene Menschen da zu sein.

Träger der Berliner Notfallseelsorge sind die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das Erzbistum Berlin. Die Muslimische Notfallseelsorge ist der achte Kooperationspartner. In der Berliner Notfallseelsorge engagieren sich auch die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft.

Ende vergangenen Jahres hatte zudem das Land Berlin erstmals eine finanzielle Unterstützung zugesagt. Demnach stehen der Berliner Notfallseelsorge für die Jahre 2018 und 2019 insgesamt 90.000 Euro aus öffentlichen Geldern zur Verfügung.

Aktuell sind in Berlin rund 150 Frauen und Männer ehrenamtlich für die Notfallseelsorge und Krisenintervention aktiv, darunter 20 Muslime. Sie werden etwa 350 Mal pro Jahr gerufen. In Unglücksfällen betreuen die Notfallhelfer Angehörige von Opfern, aber auch Ersthelfer an Unglücksorten wie Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei sowie andere Betroffene. Alle ehrenamtlichen Notfallhelfer werden für ihren Einsatz professionell geschult.

Der Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Jörg Antoine, verwies darauf, dass die Berliner Notfallseelsorge in der Praxis bereits seit 2016 mit den muslimischen Helfern zusammenarbeite. Schon damals sei deutlich gewesen, das dies "ein guter Schritt zu mehr Integration von muslimisch-islamischen Leben in Deutschland ist".

Die muslimischen Notfallseelsorger seien damals gleich bei schweren Großeinsätzen aktiv gewesen, sagte Imran M. Sagir, der Geschäftsführer des Muslimischen Seelsorgetelefons und Trägervertreter für die Muslimische Notfallseelsorge Berlin. Nach dem islamistischen Terroranschlag im Juli 2016 im französischen Nizza, bei dem 86 Menschen starben - darunter zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus Berlin - hätten sie Berliner Jugendliche und Betroffene betreut, die in Nizza auf Klassenfahrt waren. Auch beim Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 mit elf Todesopfern waren muslimische Notfallseelsorger mit im Einsatz.

Die Muslimische Notfallseelsorge ist eine Untergruppe der Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland (IRD). Bereits 2016 wurde die Muslimische Notfallseelsorge durch den damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit dem Preis "Helfende Hand" ausgezeichnet. Islamic Relief Deutschland wurde 1996 gegründet, hat ihren Hauptsitz in Köln und weitere Niederlassungen in Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg sowie München. Das Islamic-Relief-Netzwerk ist den Angaben zufolge weltweit in über 40 Ländern tätig.

epd ost cxm mg