Kultur
Lederer eröffnet Jahr des Saxophons
Berlin (epd). Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat am Donnerstag zusammen mit dem Landesmusikrat Berlin das Jahr des Saxophons eröffnet. Das 1846 von Adolphe Sax patentierte Saxophon ist "Instrument des Jahres" und steht in den kommenden Monaten im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, wie die Präsidentin des Landesmusikrates, Hella Dunger-Löper, erklärte. So findet unter anderem vom 25. bis 27. Januar das Jazzfest Neukölln statt, das ganz im Zeichen des Saxophons stehe.

Ziel sei es, Neugier und Aufmerksamkeit für das Instrument zu wecken und ihm zu neuer Popularität zu verhelfen, sagte Dunger-Löper. Aktuell gebe es bundesweit rund 27.000 Saxophonschüler an den öffentlichen Musikschulen. Der Landesmusikrat stellt seit 2010 jeweils ein Instrument pro Jahr in den Mittelpunkt seiner Veranstaltungsreihe.

Schirmherr ist in diesem Jahr der künstlerische Direktor des Jazz-Institut Berlin (JIB), Peter Weniger. Der Saxophonist, Komponist und Bandleader lobte die Klangvielfalt des Instruments, das trotz des Metalls zur Familie der Holzblasinstrumente gehört, da der Ton mit einem Blatt aus Schilfrohr oder anderen Materialien erzeugt wird. Das JIB ist ein von der Universität der Künste und der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" im Juli 2005 gemeinsam gegründetes Institut.

Klarinetten-Virtuose und Erfinder Adolphe Sax entwickelte in den 1840er-Jahren in Belgien und Frankreich das Saxophon mit dem Ziel, "einen Freiluft-tauglichen Ersatz der Streichinstrumente, zum Beispiel für die Militärkapellen seiner Zeit, zu schaffen", wie Dunger-Löper erklärte. Dabei schuf er gleich eine ganze Instrumenten-Familie vom Sopran bis zum Subkontrabass für sämtliche Tonlagen. Aufgrund seiner Ausdruckskraft sei das Saxophon ein sehr vielfältig einsetzbares Instrument, betonte Dunger-Löper und verwies auf bekannte Saxophonisten wie Charlie Parker, Sigurd Rascher, John Coltrane, Marcel Mule, Sonny Rollins und Jean Marie Londeix.

Weniger erinnerte auch daran, dass das Saxophon in der Nazizeit als "undeutsches bolschewistisch-negroides Judeninstrument" geächtet war und nur in Tanzorchestern geduldet wurde.

Lederer bekannte sich bei der Pressekonferenz zur musikalischen Breitenförderung und erklärte zugleich: "Berlin ist eine Jazzstadt." Künftig solle es mehr Spielstätten geben, um der Bedeutung des Jazz gerecht zu werden, betonte der Kultursenator. Mit Blick auf das noch vom ehemaligen Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) in der vorherigen Legislaturperiode zusammen mit dem Trompeter Till Brönner angedachte Projekt eines "House of Jazz" erklärte Lederer, zunächst müsse der vorgesehene Standort Alte Münze saniert werden. Dies werde bis zu vier Jahren dauern. Er sei aber hoffnungsvoll, dort einen musikalischen Schwerpunkt zu setzen. Vorher müsse aber auch noch zusammen mit dem Bund über die weiteren Kosten verhandelt werden.

epd ost phi bue