Kirche
Kirchengemeinden beteiligen sich an Menschenkette
Dessau-Roßlau (epd). Die Kirchengemeinden der Evangelischen Landeskirche Anhalts beteiligen sich am Samstag in Dessau-Roßlau an einer Menschenkette gegen einen rechten Aufzug. Die Protestaktion von Kirchen, Initiativen, Vereinen und Institutionen richte sich gegen den jährlichen Aufmarsch rechter Gruppierungen zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, wie ein Sprecher der Evangelischen Landeskirche Anhalts am Montag in Dessau-Roßlau mitteilte. Die über 2.000 Meter lange Menschenkette soll gegen 14 Uhr geschlossen werden.

Zum Auftakt findet am Samstag ab 12.30 Uhr eine Kundgebung mit buntem Bühnenprogramm statt. Zur Eröffnung einer Meile der Toleranz um 13 Uhr wird unter anderen der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig erwartet. Auch im Stadtteil Dessau-Nord sind weitere Aktionen geplant.

Bereits am Mittwoch findet um 21 Uhr in der Dessauer Pauluskirche der traditionelle Gottesdienst zum Gedenken an die Bombardierung Dessaus im Jahr 1945 statt. Damit soll ein Zeichen für eine tolerante und friedliche Stadt gesetzt werden. "Im Gottesdienst werden die Ursachen und die Opfer benannt, und es wird daran erinnert, wie nötig die Welt heute den Frieden braucht", kündigte Pfarrer Martin Günther an, der die kirchliche Feier leitet. Ab 21.45 Uhr werden die Kirchenglocken in ganz Dessau läuten.

Der Jahrestag der Bombardierung der Stadt wird seit Jahren von Rechtsextremisten für ihre Propaganda missbraucht. In den vergangenen Jahren bewegte sich die Teilnehmerzahl an dem "Trauermarsch" der Neonazis im unteren dreistelligen Bereich. Dessau war von 1940 bis 1945 Ziel mehrerer alliierter Luftangriffe. Der schwerste forderte am 7. März 1945 etwa 700 Todesopfer. Außerdem wurde ein Großteil der Stadt zerstört. Dessau war Standort mehrerer kriegswichtiger Fabriken, wie den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken.

epd ost ror mg